"Jemand hier, der mir etwas zum Thema Arbeitsrecht ÖD beantworten kann? "

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Anonym schrieb am 18.01.2023 09:44

Jemand hier, der mir etwas zum Thema Arbeitsrecht ÖD beantworten kann?

Hallo,

ich hab ein mittelschweres Problem in der Arbeit. Evtl kann mir jemand hier weiterhelfen?

Liebe Grüße
Lola

Antworten

Erika (Profil) schrieb am 18.01.2023 11:42

Ich kanns versuchen.
TV-L oder TvÖD?

Anonym schrieb am 18.01.2023 13:31

ÖD.

Aber vermutlich ist es sogar egal, welcher Vertrag.

Ich hatte eine tolle Chefin, die leider gerade im Mutterschutz ist und jetzt übernimmt ein Bekannter einer Gesellschafterin das Ganze, der eigentlich jetzt nur ihren Willen durchsetzt. Ich bekommen Mails, die von ihr geschrieben sind, aber von ihm unterzeichnet... sie antwortet auf Blindkopien von Mails usw... es gibt ein paar Mitarbeiter, die sie auf der Abschussliste hat.


Ich habe einen Arbeitsvertrag mit Nebenabrede, dass ich zwei Arbeitstage mobil arbeiten kann, solange nichts betriebliches dagegen spricht. Von Seiten zweier Mitarbeiter und von der besagten Gesellschafterin kamen immer wieder STicheleien, da sie das nicht wünschen. Meine Chefin fand es aber modern und familientauglich und es hat zum Aufgabengebiet gepasst. Nun setzt mir mein neuer Chef die Pistole auf die Brust: Termin zur Besprechung von Aufgabengebiet, Arbeitszeit und Anwesenheit. Einen Termin musste ich verschieben. Jetzt kommt wieder eine Email, die von zwei Leuten geschrieben wurde (er siezt mich normal nicht und unterschiedliche Schriftarten), der letztmögliche Termin ist der 30.01. bedeutet für mich, wenn ich nicht mitmach, kommt die Kündigung. Der BR ist eher auf der Seite der Geschäftsfürhung.

Meine Frage: Wenn der AG betriebliche Gründe geltend macht, gibt es da eine Frist oder kann er das von heute auf morgen machen? Also, kann er an diesem Termin sagen friss oder stirb?

Anonym schrieb am 18.01.2023 13:32

Danke Dir!

Anonym schrieb am 18.01.2023 19:59

Habt ihr nen Betriebsrat?

Lg Natascha

Anonym schrieb am 18.01.2023 20:00

Ruf doch mal bei der Ihk an.
Ob die dir helfen können
Lg Natscha

Erika (Profil) schrieb am 19.01.2023 09:13

Liebe Ano,

das ist ja eher gar nicht ÖD-spezifisch. Ich würde es daher auch eher allgemein beantworten.
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man nur dort arbeiten sollte, wo gut kooperiert wird. Ansonsten muss man für sich selbst entscheiden, ob andere Punkte wie naher Arbeitsweg, gute Bezahlung o.ä. die Nachteile aufwiegen.

Wenn es in Deinem Arbeitsvertrag eine explizite (schriftlich fixierte?) Nebenabrede mit 2 Tagen HO gibt, dann sehe ich erstmal den Arbeitgeber in der Nachweispflicht, dass sich hier von heute auf morgen etwas geändert haben soll. Hat sich denn nur der Chef oder auch Deine Tätigkeitszuschnitt geändert? Ich würde zu diesem Thema um ein Gespräch mit Deinem Chef und dem örtlichen Personalrat/Betriebsrat bitten. Vielleicht gibt es auch ein Sachgebiet Organisation oder Personal, was Ihr zu dem Gespräch hinzuziehen solltet - dazu kann Dich der Personalrat/Betriebsrat beraten.
Ich würde übrigens nicht einfach davon ausgehen, dass der BR auf Seite der Geschäftsführung steht, manchmal ist ein taktisches Verhalten (was für Dich vielleicht anbiedernd aussieht) langfristig auch ganz klug. Du könntest auch die Frauen-/ oder Gleichstellungsbeauftragte statt des Betriebsrats dazunehmen.

Zum Thema Homeoffice gibt es leider in Chefetagen immer noch abwehrende Positionen, die versuchen, ihre MA zu Präsenz zu knechten, weil sie denken, dass sie dann mehr die Kontrolle haben. Meistens fehlt eigene Erfahrung mit Homeoffice oder sie hatten mal MA, die das ausgenutzt haben (solche taugen aber häufig auch in Präsenz nix, wird nur nicht gesehen...).
Beim Wechsel eines Chefs kann es schon sein, dass ein neuer die HO-Office-Reglungen erstmal hinterfragt.

Mein Vorschlag ist: geh auf den Gesprächswunsch bis 30.1. ein, aber nimm jemanden vom BR oder die Frauenbeauftragte mit und protokolliert, was besprochen wurde.
Frage konkret:
- Was hat sich an meinem Aufgabengebiet/Tätigkeit geändert, dass die vereinbarte HO-Regelung nicht mehr gelten soll?
- Was konkret sind Ihre Wünsche bezüglich meiner Anwesenheit/Arbeitszeit/Aufgabengebiet?
- Wie könnte eine angemessene Übergangsfrist aussehen? Es ist m.E. nicht ok, Dir die Homeofficetage binnen eines Monats (oder wie lange weißt Du das schon) zu streichen. Man richtet ja sein ganzes Leben ein. Stehen in dem Arbeitsvertrag oder in der Nebenabrede Fristen? Ansonsten gelten die Fristen für Vertragsänderungen aus Deinem Tarifvertrag.
- Versuche Ihnen zu verdeutlichen, dass Du mit Homeoffice netto mehr Stunden für den AG arbeiten kannst, weil Arbeitswege wegfallen usw. Du müsstest sonst ggf. die Stundenanzahl verringern, wenn mehr Präsenzarbeit erwartet wird. Das ist also ein Entgegenkommen von Dir, dass Du überhaupt und so viel da arbeitest. Falls Stundenverringerung eine Option wäre, frage konkret, wie dann die Aufgaben zugeschnitten wären und wer die übrig bleibenden Anteile übernimmt oder was wegfallen kann.
- Frage ggf. nach einem anderen Aufgabengebiet, das Du übernehmen kannst, wo 2 Homeofficetage möglich sind. Mache deutlich, warum Dir 2 Tage HO wichtig sind. Die Übertragung einer anderen Aufgabe hat Dein AG erstmal vorrangig zu prüfen, bevor er überhaupt daran denkt, Dir zu kündigen.
- 30-50% der Arbeitszeit mobil zu arbeiten ist heutzutage bei Bürojobs eigentlich der Standard.

Du musst für das Gespräch ein bisschen Deinen Marktwert kennen. Wenn sie nicht auf Dich verzichten können (Fachwissen, Qualität und/oder Menge der Arbeit, die die wegschaffst, Zuverlässigkeit o.ä.), dann kannst Du mehr fordern und selbstbewusster auftreten, als wenn Du von denen maximal abhängig bist und froh sein kannst, dass Du überhaupt eine Arbeit hast.

Grundsätzlich gilt natürlich: es gibt kein Recht auf Homeoffice, es ist alles Verhandlungssache und eine Frage der Kooperation, Mitarbeiterbindung und des Stellenwerts der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in dem Betrieb.

Ich will Dich nicht demotivieren, aber falls Du Einzelkämpferin bist und der ganze Betrieb in Präsenzkultur funktioniert und sich wohl damit fühlt, dann hast Du aber generell eher schlechtere Chancen. Also such Dir interne Verbündete (andere MA mit ähnlichen Interessen, BR, Frauenbeauftragte), vernetzt Euch und bereitet Euch gut vor.

Wenn Du mir schreibst, welcher Tarifvertrag für Dich gilt, dann kann ich da gerne auch nachschauen, was es für Fristen und Regelungen zu HO gibt.

LG und viel Erfolg!
Erika


Anonym schrieb am 19.01.2023 09:49

Dem BR gefällt die Regelung auch nicht. Ich stehe ziemlich alleine da.

Tarif ist TVöD.

Danke für Deine ausführliche Antwort. Ich schau, was ich umsetzen kann.

Lola

Anonym schrieb am 19.01.2023 09:59

Wir haben keine 20 Mitarbeiter. Einen Gleichstellungsbeauftragten haben wir nicht.

Der BR hat auch schon mal ein Vorgehen meinerseits, was sie als falsch ansah, was es letztendlich gar nicht war, an die Gesellschafterin gemeldet. Also da ist kein Vertrauen meinerseits vorhanden.

Ich hatte eigentlich vor auszuharren bis meine Chefin aus der Elternzeit wieder da ist. Aber auch sie hat einen ähnlichen Termin und fürchtet schlimmes.

Ich schau mich auch schon länger um, aber der Arbeitsmarkt ist leer. Und mir geht's vor allem auch darum, mehr Zeit zu haben. Also nicht gleich zum 1
3. Ohne Job dazustehen. Ich bin noch kein Jahr da.

Erika (Profil) schrieb am 19.01.2023 10:27

So kleine Betriebe sind ja eher untypisch für den ÖD. Seid Ihr irgendwo angegliedert, also z.B Eigenbetrieb der Stadt XY? Dann könnte es auch einen Hauptpersonalrat geben oder eine Frauenbeauftragte bei der für Euch zuständigen Behörde, wo Du Dich beraten lassen kannst.

Anonym schrieb am 19.01.2023 10:58

Nein, aber es gibt diese eigenständigen Organisationen mehrfach in unserem Bundesland und darüber einen Verband. Ich schau mal, ob ich da Hilfe kriegen kann. Danke.

Edit: kein Verband, eine landesarbeitsgemeinschaft