"Warum Kinder keine Tyrannen sind"

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Lola (Profil) schrieb am 11.08.2021 20:49

Warum Kinder keine Tyrannen sind

Der filmtip kam gerade bei mir an und den geb ich einfach mal weiter.

Hat nix mit obigem post über das gewaltbereite Kind u tun, ich hab die Sendung auch noch nicht gesehen...

Lola

https://www.ardmediathek.de/video/die-story/warum-kinder-keine-tyrannen-sind/wdr-fernsehen/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLTFlZmMzNWE5LWE3ZWYtNDJhMS04MjJiLTc3NjRjMmU3OTY1YQ/

Antworten

Anonym schrieb am 11.08.2021 22:23

Ich finde die Diskussion um Winterhoff sehr sehr schwierig. Wir haben drei eigene Kinder und drei Pflegekinder.

Die drei Pflegekinder haben eine Alkoholschädigung. Steinigt mich nicht, Alternativmedizinisch geht nicht sehr viel. Alle drei nehmen Medikamente. Das Mädchen 5 Jahre nimmt Ritalin. Der Junge 7 Jahre kam damit nicht zurecht ist also schon eine Stufe weiter nimmt Elvanse und Risperdon (das genannte Pipamperon zeigte Nebenwirkungen und brachte nichts). Der jüngste ist 3 Jahre hat zusätzlich noch Epilepsie, er nimmt ein Stimmungsaufhellendes Mittel und er wird noch ein weiteres bekommen. Also wir den Beitrag gesehen haben wo es um die Medikation ging war uns klar, dass wir demnächst uns wohl noch mehr rechtfertigen müssen. In dem Beitrag waren ja auch Pflege/Heimkinder. Einige davon hatten optische Auffälligkeiten. Gerade in Einrichtungen sind Kinder die extrem schwierig sind und man geht ohnehin davon aus, dass jedes 4. Pflegekind vom Akoholschaden betroffen ist. Diese Kinder brauchen aber fast alle Ritalin und Co. Wir waren an mehreren Stellen und alle sagen, dass wäre wie einem Insulinabhängigen das Insulin zu verweigern. Die Mittel wirken auch nicht so lange wie zum Beispiel bei ADHS: Auch unsere Kinder werden irgendwann älter werden und keine Medikamente mehr brauchen, das ist auch normal. Vielleicht werden sie es auch dann negativ in Erinnerung haben, andererseits wären sie sonst auch kaum familienfähig bzw. vielleicht könnten sie nur in Familien leben wo es keine oder nur wenige Kinder mit riesigen Altersabstand gibt.

So ist es gekommen das bei uns neben Globulis und Co die Betäubungsmittel stehen. Dabei geht der älteste sogar auf eine Waldorfförderschule. Vielleicht hat der Winterhoff Fehler gemacht, aber das Thema Medikamente wird da recht negativ dargestellt und das wird dann auf Familien wie wir übertragen.

Unser System ist leider noch nicht soweit zuzugeben, dass die Alkoholschädigung (FAS) kein "Märchen" ist und das diese Menschen ganz viel Unterstützung und das ein Leben lang brauchen.

Anonym schrieb am 11.08.2021 23:47

@ Anonym - danke für dein Posting. Ich kenne mich da nicht wirklich aus, und dein "Innenblick" ist sehr hilfreich, um das Thema umfassender zu verstehen und nicht wertend an das Thema `Medikamentengabe´ heran zu gehen. Danke für deine Offenheit!!


RU

Anonym schrieb am 12.08.2021 08:15

Liebe Ano,

danke für die andere Sichtweise.

Ich arbeite proaktiv in einem Alkoholpräventionsprojekt, neu auch mit Schwangeren. Da gibt es mir aber zu wenig input. Vermutlich ist das auch eine andere Zielgruppe, da die ganz am Anfang ihrer Alkoholkarriere stehen, aber kannst Du mir evtl. trotzdem eine Seite nennen, wo ich bezüglich der Wirkung auf die Babies / Kinder, gutes Informationsmaterial / Flyer ... bekommen kann?

Lola

Anonym schrieb am 12.08.2021 14:57

zum thema möchte ich nichs schreiben - ich habe den fernsehbericht nicht gesehen, und es ist zu lange her, dass ich winterhoffs buch gelesen habe.

aber ich möchte aufklären:
einem insulinabhängigen menschen das insulin wegzunehmen, bedeutet, dass er stirbt. medizinisch betrachtet tritt dann früher oder später eine hyperglykämie ein, mündend in eine diabetische ketoazidose mit sicherer todesfolge.

der vergleich hinkt gewaltig - mittel wie ritalin zu streichen mag dem menschen, der es nimmt, und jenen um ihn herum das leben sehr erschweren - aber sie sterben nicht am mangel des medikaments.

...schreibe ich als mutter eines kindes mit diabetes typ 1.

Inge (Profil) schrieb am 12.08.2021 15:15

Wenn ich einem Menschen der nicht laufen kann den Rollstuhl wegnehme stirbt er auch nicht. Grausam wäre es trotzdem.

Grob zum Film: hier geht es ja nicht darum ob Psychopharmaka notwendig sein können oder nicht, sondern darum dass der Herr Psychiater ohne richtige Untersuchung Diagnosen gestellt hat, oft auch falsche, und aufgrund seiner falschen Dagnosen Psychopharmaka verordnet hat.

LG Inge

Anonym schrieb am 12.08.2021 22:16

Noch mal Ano:

Wenn ich mir einige im Film angucke dann denke ich könnte eine Alkoholschädigung vorliegen- man erfährt nichts vom Verhalten… Ggf ist die Medikation nicht so falsch … zumindestens bei ein paar der Patienten ….

Zum Vergleich
Was ich meine ist das man es in vielen Kontext normal findet Medikamente zu geben. Es geht nicht nur darum das die Umwelt durch Ritalin entlastet wird. Unser Mädchen wird klarer durch das Ritalin, lernt Dinge, ist ruhiger, weil zentrierter und weniger gefährdet weil sie selber ihre Umwelt wahrnimmt.

Alkohol ist mega schädlich. Da gibt es auch keine Ausnahme. Ein Glas reicht. Es gibt viele Stellen wo man sich informieren kann.
FASD Deutschland (Website) ist gut aufgestellt. Ich persönlich mag das Buch von Prof dr. Spohr aus der Charité. Umfangreich dargestellt und gut lesbar. Ich bin vor knapp zwei Jahren mit dem Mädchen aus dem Ruhrgebiet nach Berlin zur Diagnostik gefahren….