"Des Diskutierens müde sein "

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Anonym schrieb am 05.09.2020 16:52

Des Diskutierens müde sein

Hallo zusammen,

es steht schon oben: Ich bin des Diskutierens so müde.
Dabei geht es um meinen Mann. Wir stehen unterschiedlichen Parteien nahe. Immer und überall läuft es am Ende auf eine parteipolitische Grundsatzdiskussion hinaus, und ich bin es so leid.
Das Ding ist, dass da einfach zwei fundamental verschiedene Konzepte wirken.
Aber nun dringen diese Themen halt auch ins Private rein und es nervt mich so.
Der Unterschied ist, dass ich ihn nicht zu bekehren versuche. Ich unterstütze selbst nicht alles, was irgendjemand in meiner Partei sagt oder tut, ich kriege nicht mal alles mit, ich habe nämlich ein recht ausgefülltes Leben ohne die Politik. Ich bin kommunalpolitisch aktiv, aber das Mandat läuft unabhängig von der Partei und ich lese dann auch nicht erst, was ein Vorsitzender dazu sagt, ich bilde mir halt meine Meinung. Ich strebe keine politische Karriere an und nichts. Ich bin mehr so eine Karteileiche ;)
Für ihn ist aber jeder Gegensatz bei unseren Parteien Anlass, um mit mir zu diskutieren. Ich soll das dann irgendwie rechtfertigen oder erklären. Aber ich mag nicht. Er hat berufsbedingt einen nahezu unbegrenzten Zugang zu allen möglichen Meldungen, die er gefiltert und aufbereitet kriegt. Immer wieder sitzt er abends am Tisch und es beginnt so: "Da hat der xy aber wieder ganz schön in die Tonne gegriffen mit seiner Aussage, dass...". Und entweder weiß ich gleich gar nicht, wovon er spricht, weil ich tagsüber gar keine Zeit hatte etwas mitzubekommen oder ich habe mich nicht vollumfänglich informieren können oder eigentlich interessiert es mich auch gar nicht.
Er schickt mir auch immer wieder Fotos aus sozialen Netzwerken, auf denen ein mehr oder weniger prominenter Vertreter einer der beiden Parteien irgendetwas tut und kommentiert es dann wohlwollend oder abfällig.
Aber es interessiert mich doch gar nicht, was der Parteivorsitzende auf einer Messe gesagt oder getan hat. Das hat mit meiner kommunalpolitischen Welt, für die ich mich eigentlich interessiere, nichts zu tun.
(Was nicht heißt, dass ich mich nicht auch mit größeren Themen befasse, aber das tue ich für mich und ergebnisoffen und nur weil es ein Vorsitzender sagt, übernehme ich das ja nicht.)
Habe schon immer wieder überlegt aus der Partei auszutreten, nur um klar zu machen, dass ich nicht für alles, was da jemand sagt, verantwortlich bin. Ich könnte das Geld ja sicher auch einfach an die Partei spenden und das müsste ich ihm ja nicht mal sagen. Aber andererseits teile ich die Grundwerte ja schon und möchte auch in der Öffentlichkeit (meinem Dorf ;)) als Teil dessen wahrgenommen und als Ansprechpartner gesehen werden - unabhängig davon, dass ich nicht "die Partei" bin.
(Und die meisten begreifen das auch. Nur mein Mann nicht.)

Ich gebe zu, ich lasse mich auch nur zu leicht provozieren.
Aber wie könnte ich denn noch angemessen reagieren, wenn schon in den Einleitungsworten klar wird, dass es auf eine Grundsatzdiskussion hinauslaufen soll?!
Dass ich generell am Tisch nicht über Parteipolitik diskutieren möchte, habe ich mehr als einmal gesagt. Kommt nicht an.
Dass ich keine Fotos per WhatsApp geschickt bekommen möchte - dito.
Ich bin mittlerweile so genervt, dass ich beleidigend werde. Was auch kein gutes Vorbild für die Kinder ist.
Unsere Jobs tragen leider nicht dazu bei, dass wir andere Themen haben. Er arbeitet beim Land (demokratisch bedingt im Moment für "meine" Partei, hihi) und ich arbeite in der politischen Bildung.
Und es tangiert einfach so vieles auch im Alltag. Wenn ich ihn bitte keine PET-Flaschen mehr zu kaufen, bin ich wieder die radikale Grüne (jetzt ist es raus ;)), die die Vorteile nicht sieht (ich sehe sie wohl, aber die Nachteile überwiegen für mich). Wenn ich sage, ich fahre die Kinder aber nicht mit dem Auto zur Schule, sie könnten laufen, müssen die angeblich unter meiner fundamentalen Einstellung leiden - ich aber denke ganz parteiunabhängig, dass Kinder 1km laufen können.
Jeder Disput wird zur Wahlkampfveranstaltung. Ich mag nicht mehr.
Heute Morgen ist es wieder völlig eskaliert. Es ging um S21. Wir fuhren an der Neubaustrecke vorbei und er begann zu sinieren, wie toll das doch sei und wie blöd "wir" seien, so ein Projekt nicht zu unterstützen, weil "wir" ja technologiefeindlich seien. Ich habe ihm dann wirklich sachlich erklärt, warum ich dagegen bin, mit echten Argumenten. Er meinte dann, dass er das nicht glaube (!), natürlich werde das und das nicht passieren und so weiter. Als wir daheim waren, habe ich ihm verschiedene Quellen rausgesucht, die meine Argumentation stützen. Eigentlich gab es ab dem Moment nichts mehr zu argumentieren für ihn, die Fakten lagen da. Aber er sprach davon, dass ich mich Quellen "radikaler Spinner" bedienen und damit selbst unglaubwürdig machen würde. Der eigentliche Witz ist, dass man auch gut für S21 argumentieren kann, aber eben nicht an diesem Punkt. Selbst die Bahn meint ganz klar, dass das so und so ist und für mich und meine Entscheidungsfindung ist der Punkt eben ausschlaggebend. Anstatt zu sagen "Da hast du sicher recht, aber mir ist es wichtiger, dass..." wird pauschalisiert und abgewertet. Und damit komme ich nicht klar.
Ich kann ihn nicht "gewinnen" lassen und er mich nicht. Was dämlich ist, denn es geht auf meine Nerven.
Soll ich ihm nach außen hin einfach zustimmen und mir meinen Teil denken?
Soll ich sagen, dass ich keine Lust habe das jetzt zu diskutieren?! Später vielleicht, oder auch nicht?!
Dass ich mir bestimmte Themen einfach verbitte?
Ich weiß es nicht.

So, das war jetzt viel.
Hat jemand bis zum Ende gelesen?!
Ihr seht, ich kann mich nicht nur in Rage diskutieren, sondern auch schreiben ;)

Jetzt ist er mit dem Fahrrad beleidigt weggefahren, weil ich gesagt habe, er soll mich mit seinem Sch.... In Ruhe lassen.
Und ich bin traurig, dass es wieder so kam.

Grüße!

Antworten

natascha (Profil) schrieb am 05.09.2020 22:45

Och mensch,
Das ist sehr verfahren.....

Ich lese sehr viel Frucht, Machtkämpfe und Ego.
Wer idt der Stärkere Bessere......mir fallen gerade keine beaseren Worte ein.


Ich frag mal weiter,
Wie ist das Gesamtpaket, wo ist die Liebe?
Warum muss mit aller Kraft, die Meinung des anderen so zerlegt werden?

Gibt es eine Diskusionfreie Zone,
Ein Hobby gemeinsam spazieren, und über die Wolken reden.


Ich wäre auch generft.
Ist das diskutieren der ganze Inhalt oder der Dominante Teil eurer Beziehung.

Ich hoffe ich kann rüberbringen, was ich sagen will.


Viel kraft, mal nicht zu sprechen


Lg Natascha


Anonym schrieb am 05.09.2020 23:53

Danke für deine Antwort, natascha.

Anfangs war es ein großer Spaß, sich "zu belegen". Das waren auch Neckereien, keine Frage. Von beiden Seiten.
Wir sind beide nicht auf den Kopf gefallen und auch interessiert. Sieht man ja auch an den Berufsfeldern, in denen wir arbeiten. Das Politische an sich ist uns nahe. Die Kontroverse sowieso.
Ich bin wie gesagt parteipolitisch nicht wirklich aktiv. Ich gehe nicht auf Parteitage oder bin auch keine Delegierte und strebe keine Positionen an. Dennoch möchte ich, dass "meine" Partei mit ihren Grundideen an Entscheidungen beteiligt ist. Ich stehe zu den meisten Dingen, die im Grundsatzprogramm gesagt werden. Ohne jede einzelne Aussage jedes einzelnen Parteimitglieds zu kennen oder gar einfach abzunicken.
Mein Mann hatte in seiner Partei bereits kommunale Funktionen inne, begleitet aber kein Mandat. Er wurde nicht gewählt. Ich glaube das wurmt ihn auch.
Er wird immer mal wieder gefragt, ob er für den Landtag oder den Bundestag kandidieren könnte. Er hätte keine Chance über die Liste hineingewählt zu werden. Wir haben viele Kinder, wir haben Jobs, ich bin nicht bereit ihm für so ein Theater den Rücken freizuhalten. Wenn es eine reale Chance gäbe, würde ich das vielleicht anders sehen, aber das ist in meinen Augen in unserer Situation Zeit- und Geldverschwendung. Ich verbiete es ihm nicht, aber ich führe schon aus, warum ich ihn da gerade nicht unterstützen kann. Was nicht heißt, dass es später nicht denkbar wäre.
Auch das führt sicher zu Frust.

Ich möchte gar nicht alles zerpflücken. Ich führe gern Diskussionen, auch hitzige, aber eben über konkrete Inhalte und nicht Floskeln oder Schlagwörter von instagram-Beiträgen. Ich finde das lächerlich. Über S21 würde ich schon diskutieren, aber eben auf der Grundlage von Fakten und auch nicht um zu gewinnen, sondern um meinen Standpunkt klar zu machen. Wenn er mir aber "fake" erzählt, bin ich raus.

Immer wieder kommt es vor, dass er mich mit "Witzen" provoziert. Beispiel Feminismus. Ich bin seit jeher meine eigene Frau, verdiene mein eigenes Geld, brauche keinen Mann als Ernährer, sondern will einen als Partner. Dann kommt vor den Kindern ein Spruch über "die eigentliche Rolle von Frauen". Ich werde sauer und weise das zurück - er weiß genau, dass ich das tun werde - und dann heißt es "War doch nur ein Witz". Also eine Provokation. Ich verstehe das nicht. Ich werde es nie unkommentiert lassen, wenn er so etwas sagt. Erwartet er wirklich, dass ich darüber lache?! Es im Raum stehen zu lassen ist für mich keine Option, wie sollen die Kinder meine Position kennen, wenn ich in dem Moment gar nichts sage?! Ich möchte, dass sie sehen, wie ich lebe und nicht, dass ich mich vor dem Mann dafür verteidigen muss. Was ich gar nicht muss, denn er ist ja gar nicht dagegen, er provoziert mich nur.

Generell sind wir bei so vielem gar nicht auseinander. Bei so vielen Themen denken wir genau gleich: Flüchtlinge, Umgang mit der AfD, Corona, Trump, was weiß ich. Und alles andere sind eben Grundsätze und da gibt es Unterschiede. Aber ich möchte die nicht ständig diskutieren und auch nicht ständig irgendwas rechtfertigen müssen. Ich habe kein Problem damit zu akzeptieren, dass er anders sozialisiert ist als ich und auch daraus andere Grundhaltungen ergeben. Ich möchte ihn zu nichts bekehren, aber akzeptiert werden. Wenn er dann mit Totschlagargumenten kommt, werde ich einfach nur noch sauer. Er wirft mir vor, dass ich mich zu schnell provozieren lasse von seinen Aussagen, aber er hört nicht auf nachzuschießen.

Deshalb ja meine Überlegung, einfach zu nicken und es gut sein zu lassen. Vielleicht bringt Zustimmung Ruhe?!

Am liebsten würde ich das Politische komplett aus dem Haus verbannen. Aber gerade kann ich mir gar nicht vorstellen, worüber wir dann überhaupt reden sollten. Einfach weil schon so lange nichts anderes mehr Thema ist.

Nach seiner Radtour heute haben wir das Thema vom Vormittag tunlichst gemieden. Abends wollte er sich dann vor den Fernseher setzen und irgendwas gucken, ich bin aber ins Bett, weil ich das gerade nicht aushalte. Nur schlafen kann ich nicht.

natascha (Profil) schrieb am 06.09.2020 04:25

Das meine ich.
Keine anderen Themrn haben.
Witze auf kosten anderer.
Ich glaube, ihr habt verlernt, noch andere Themen zu haben.
Das Provotieren ist ja dann, ich möchte diskutieren.

Weis er wie es dir damit geht.
Schreibe es doch mal auf. Einen Brief.
Wo du das aufführts, wie es dir geht.
Nicht immer muss man aber so verbissen an was fwdtkrallen.
Du willst keine Bilder über waths app, er will aber schicken, wer gat denn nun recht?
Das aussitzten ist keine Lösung.

Lg Natascha


Anonym schrieb am 06.09.2020 11:59

Eine einfache Antwort könnte sein: "Ja, da hast du Recht Schatz". So kommen ja Millionen Männer gut durch die Ehe ;o)

Ich würde mich auf keine Diskussionen einlassen. Dein Ermüden darüber kann ich sehr gut nachvollziehen.
Die komplett unterschiedlichen Weltanschauungen waren für mich einer der wichtigsten Gründe, mich beizeiten vom Papa meiner Tochter zu trennen. Sonst wäre ich jetzt wahrscheinlich in einer ähnlichen Situation wie du.
LG

Anonym schrieb am 06.09.2020 13:24


Am liebsten würde ich das Politische komplett aus dem Haus verbannen. Aber gerade kann ich mir gar nicht vorstellen, worüber wir dann überhaupt reden sollten. Einfach weil schon so lange nichts anderes mehr Thema ist.



Das hört sich ehrlich gesagt sehr traurig an.
Die Idee finde ich aber sehr gut, das als Familienregel aufzustellen. Mit ner Strafkasse. Ich frage mich nur, ob dein Mann sich spielerisch auf so was einlassen kann.
Ich möchte dir nicht zu nahe treten, aber es macht mich sehr nachdenklich, dass ein Mann mit solchen Persönlichkeitsmerkmalen wie du sie beschreibst, aktiv in der Politik tätig ist.
LG Doro

Anonym schrieb am 06.09.2020 14:20

Liebe Doro,

Ich denke eher umgekehrt, deshalb ist er in der Politik...

Liebe Ano, wenn zwei starke Charaktere sich zusammentun, kracht es wohl immer irgendwie und irgendwo, bei zwei schlauen Köpfen sowieso. Da mein Mann streng religiös ist und ich nicht an Gott glaube, habe ich recht schnell vermieden, solche Diskussionen zu führen, das würde bei uns sicher auch eskalieren. Aber wir zoffen uns dann halt auf anderem Weg...

Über die Rollederfrauwitze kann ich tatsächlich lachen, aber deshalb, weil er mich sehr unterstützt in dem, was ich tue.

Und es ist schon so ne Sache, entweder lässt man sich provozieren oder eben nicht. Sag doch einfach mal nix dazu. ☺️ Oder findet wieder Spaß an echten Diskussionen und beschränkt sie spielerisch auf einmal die Woche...

LG Ano

Anonym schrieb am 06.09.2020 16:44

Ich fahre sehr gut damit bei solchen Sachen 'Wie du meinst ' zu sagen. Und dann nichts mehr. Höchstens nochmal wiederholen. Bei uns gibt es das nämlich ähnlich und ich bin es auch total Leid. Damit gebe ich ihm in meinen Augen nicht recht und es ist für mich erledigt. Wenn er merkt, dass ich nicht diskutieren will, gibt er dann auch Ruhe. Jetzt auch schneller als am Anfang, ist schon auch ein Lernprozess.

Anonym schrieb am 07.09.2020 06:16

Worum geht es DIR denn?
Ruhe?
Deine Sache?
Deinen Partner?
Wie viel liegt Dir an der Partei?


Ich würde den Spieß umdrehen. Erkläre Deinen Austritt. Ende mit Parteiarbeit. Man kann auch privat grün sein. Meine Familie würde Ich nie dafür opfern. Sag ihm, er ist Dir wichtiger. Und schau was kommt. Auf Probe. Wird es besser? Was will er denn wirklich erreichen?

Ich hab das Gefühl, Du stehst Deine Frau, aber er ist in seiner Rolle als Mann nicht glücklich. Ihm fehlt was. Ein Hobby, ein Sinn, Er will sich unbedingt beweisen, wenn nicht im Bundestag dann halt Zuhause.

Anonym schrieb am 07.09.2020 10:29

Wir diskutieren ja nicht über Grundwerte. Da sind wir uns sehr nahe. Es sind die Detailfragen. Beispiel: Sozialstaat. Da bin ich ja nicht dafür und er dagegen. Es geht dann um Konkretes, was er halt gern mit Pauschalaussagen und "immer/nie/jeder/keiner" garniert. Habe schon gesagt, dass ich eine Diskussion sofort beende, wenn es pauschal wird. Von ihm kommt gern "Das ist Fakt". Ich wundere mich da einfach, denn er ist doch intelligent und weiß theoretisch, wie Kontroverse geht. Es schlaucht so und fühlt sich nur noch wie Provokation an. Ist es wahrscheinlich auch.
Wir kommen auch immer wieder an die Stelle, an der offensichtlich wird, dass er im Unrecht ist. Dass er Zahlen falsch zitiert und sich im Jahr irrt oder was auch immer. Er kann es dann einfach nicht eingestehen und sagen, ja okay, da hast du recht. Er gibt auch zu, dass er das ganz schlecht (gar nicht) kann. Er war mal Anwalt, da war es gut nicht nachzugeben. Aber ich bin ja die Partnerin und nicht die gegnerische Partei.

Heute Morgen krieg ich von ihm ein Bild aus Connewitz. Ich habe gar nicht reagiert. Beim Frühstück ging es los. Das seien alles Verbrecher, bla bla bla. Ich habe "Das interessiert mich gerade nicht" gesagt. Da meinte er, ich würde doch immer die Linken verteidigen, wenn es Rechte wären, würde ich mich auch aufregen usw. Habe mich dann leider wieder provozieren lassen und bin lauter geworden, hab gesagt, dass ich weder "die Linke" sei noch linksextrem, dass ich Gewalt jeglicher Form verachte, aber keine Lust habe, mich hier ständig für Dinge rechtfertigen zu müssen, mit denen ich nichts zu tun habe, und dass ich darüber nicht mehr reden will. Habe ihn auch gefragt, warum er das tut, was er sich erwartet. Das konnte er mir nicht beantworten.

Wir hatten gestern einen schönen Tag, ganz ohne Politik, und gleich heute früh geht es wieder los. Ich glaube ich werde jedes Gespräch zu diesem Thema in nächster Zeit abwürgen.

Mich aus der kommunalpolitischen Arbeit rauszuziehen, weil er damit nicht umgehen kann, bin ich gerade aber nicht bereit. Klar foppen wir Mitglieder des Gemeinderates uns auch mal, aber das ist echt nicht so extrem wie hier am Tisch.
Mein Vater war auch so, lautstark tat er seine Meinung am Tisch kund. Meine Mutter hat sich nie geäußert. Eigentlich weiß ich gar nicht, wofür sie politisch steht. Müsste ich tatsächlich mal nachhaken, ob sie auch nur aufgehört hat sich zu äußern oder ob es ihr tatsächlich egal war.

TS

Anonym schrieb am 07.09.2020 11:13

eigentlich finde ich das ganz toll.

ich kenne eine grünenwählerin, die mit einem AFD-Sympathisanten zusammenlebt.... schon lange. Ich weiß nicht ob ich es könnte, aber ich bewundere das. wenn man die Person von der Meinung trennen kann. und das sollte man!

(klar gibt grenzen, wenn einer sagt das Beste wäre wenn Flüchtlinge im Mittelmeer ersaufen, ist das dann schon eine Charaktersache, ganz klar.... mit so jemand hab ich nicht mal lust am selben Tisch zu sitzen)

hier in Bayern im Landtag gibt es Frau Stamm (CSU) deren Tochter bei den Grünen ist und die sich aber trotzdem blendend verstehen.

ich hab so das Gefühl, dein mann braucht hauptsächlich einen Sparing-Partner. im gibt das was. adrenalinschub. oder dopamin-Ausschüttung weil er glaubt recht zu haben. oder will er dich wirklich überzeugen, weil er nicht ertragen kann dass du auf der "anderen" Seite stehst? schick ihn zum debattier-club oder zum joggen ;o))

auf jeden fall: erklärt doch mal das zu Hause zur Politikfreien Zone. wenigstens an 6 Tagen die Woche. mir ist Politik sehr wichtig, aber ich finde trotzdem ... die Familie ist wichtiger. sind so Detailfragen über die Sozial-Politik dann wirklich so entscheidend am Esstisch? hat alles sein für und wieder und ihr werdet dass in eurem Haus nicht lösen können ;o))

ich ertappe mich oft dabei, dass ich auch andere überzeugen will, und dann schnell frustriert werde, aber das ist quatsch. man muss ihnen zuhören und ihre Meinung verstehen, auch wenn man sie nicht teilt.... Überzeugungen ändern sich nicht wegen paar Argumenten, das braucht jahre.

haltet durch, die Gesellschaft braucht solche Diskussionen!

lg,






Anonym schrieb am 07.09.2020 19:21

Warum solltest du deine Partei und deine Ämter aufgeben, weil er sein Gequatsche nicht an deine Wünsche anpassen kann? Dieser Vorschlag erschließt sich mir überhaupt nicht.
Das was du oben geschrieben hast würde ich ihm sagen. In einer ruhigen Minute, in der es keine politische Diskussion gibt oder kurz zuvor gab. Und nicht vor den Kindern. Wenn er es immer noch nicht versteht, dann als Brief. Da kannst du dir ja ausreichend Zeit nehmen zur Formulierung.
Auch ich würde für die komplett politikfreie Zone zuhause plädieren. Wenn er das nicht will kannst du dich immer noch auf 6 Tage runterhandeln lassen.
Und es scheint mir, als würde er mit dir sprechen wollen. Wenn ihr kein anderes Thema habt, dann vielleicht deshalb die Politik?
Den Vorschlag von oben mit "Wenn du das so meinst" oder so ähnlich finde ich nach erfolglosem Gespräch und Brief die drittbeste Möglichkeit. Dann weiß er auch schon warum du das abwürgst.

ChristineT (Profil) schrieb am 07.09.2020 20:13

Was habt Ihr an Gemeinsamkeiten? Was verbindet Euch? Könnt Ihr das wieder reaktivieren? Wie reagieren denn die Kinder auf Eure Debatten?
Wenn Du nicht mehr über solche politischen Details diskutieren willst, würde ich ihm das nochmal klar sagen und ankündigen, was Du tust, wenn er doch damit anfängt - z. B. den Raum verlassen, ihn auf WhatsApp blockieren oder was auch immer. Und zwar nicht weil Du beleidigt bist, sondern weil Dir die Beziehung wichtig ist und Du nicht möchtest, dass sie solchen fruchtlosen Debatten zum Opfer fällt.
Kann er formulieren, warum er sich so verhält? Ich vermute, er sucht Kontakt oder Bestätigung und findet keinen anderen Weg?!
Alles Gute Euch!

Lola (Profil) schrieb am 07.09.2020 22:56

Für mich klingt das eigentlich eher danach, als wenn das Problem woanders liegt und sich nur auf diese Weise äussert, als wäre er unzufrieden oder mit sich (oder Euch?) nicht im Reinen. Vielleicht will er auch irgendwas von Dir. Vielleicht weiß er es ja nichtmal selber, wenn Du ihn fragst. Ich würde mal, ggf. mit ihm zusammen, nachforschen, wo das Problem liegt. Wenn Du sagst, er kann zugeben, dass er nicht gern dazu steht, im Unrecht zu sein, dann ist er doch gewiß gesprächsbereit. Oder nicht?

Anonym schrieb am 08.09.2020 09:42

Liebe Doro,

Ich denke eher umgekehrt, deshalb ist er in der Politik...



Das hatte ich befürchtet ;o)
LG Doro