"Wie geht ihr um mit Putin-Anhängern & Co?"

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Anonym schrieb am 25.08.2020 18:36

Wie geht ihr um mit Putin-Anhängern & Co?

Ich bin, fürchte ich, bei diesem Thema sehr intolerant.
Die Eltern einer Freundin meiner Tochter sind glühende Putin-Anhänger. Sie selber wurden noch in der damaligen UDSSR geboren und sind als sog. Russland-Deutsche vor ca. 20 Jahren nach Deutschland gekommen. Haben gute Jobs, Haus gebaut etc., hauptsächlich aber in der lokalen (recht großen) Russland-Deutschen-"Szene" integriert. Ich mag die Eltern wirklich gern, sie sind total freundlich, hilfsbereit, lustig etc., aber ihre Verehrung Putins stößt mir schwer auf - sie haben ein großformatiges Bild vom ihm aufgehängt. Meine Reaktion darauf war erstmal Sprachlosigkeit. War vielleicht auch besser, sonst hätte ich wohl so was Unangebrachtes wie "Warum seid ihr dann hier in Deutschland?" gesagt. Zuvor war das schon mal Thema, sie glauben nicht, was die deutsche Presse über Putin berichtet (einseitig, übertrieben, fasch dargestellt etc.).
Ähnlich geht es mir mit einer anderen Mutter, mit der ich wg. Elternbeirat Kontakt habe, und Erdogan (ich nenne ihn ja Erdo-Wahn) ganz toll und alles, was er macht, richtig findet. Sie ist hier geboren und aufgewachsen, türkischstämmige Eltern, auch gebildet etc.

Andere politische Meinungen kann ich - glaube ich zumindest - ganz gut tolerieren, zumal man mit anderen Eltern ja idR keine entspr. Entscheidungen zu treffen hat, aber diese beiden? Könnte es auch noch verstehen, wenn sie in den jeweiligen Ländern lebten und das aus der Innenperspektive erlebten (mit den sicher für bestimmte Bevölkerungsgruppen vorhandenen Vorteilen).

Kennt ihr so was auch, wie geht ihr damit um?
Ano-B

Antworten

Anonym schrieb am 25.08.2020 18:41

... ach so, Kontakt vermeiden ist kaum möglich. Gerade bei der Erdogan-Sympathisantin. Da hängt natürlich auch ein Bild von dem Herrn, und ich habe schon überlegt, mich zu weigern, an den Elternbeiratstreffen dort teilzunehmen. Auch albern, und im Moment wegen Corona ja sowieso draußen.
Ano-B

Anonym schrieb am 25.08.2020 19:52

Was ist denn deine Befürchtung bezüglich ihrer politischen Ausrichtung?
LG Doro

natascha (Profil) schrieb am 25.08.2020 19:58

Solange mich keiner versucht, zu beeinflussen
Und nicht ner verbotenen Gesinnung angehören, ist es mir gleich.

Lg Natascha

Gary (Profil) schrieb am 25.08.2020 22:00

Was ist denn deine Befürchtung bezüglich ihrer politischen Ausrichtung?
LG Doro


Das Unbehagen von Ano-B ist mir sehr nachvollziehbar.

Meine Antwort auf die Frage von Doro:
- Die Sympathie für autoritäre Herrscher wäre mir suspekt.
- Die Sympathie für nationalistische Herrscher wäre mir suspekt.
- Die Sympathie für Kriegstreiber wäre mir suspekt.
- Die Sympathie für Machterhalt mittels repressiver Maßnahmen gegen Opposition wäre mir suspekt.
- Im Falle von Erdogan kommt noch dessen zur Schau getragene Religiosiät hinzu.
- Im Falle von Putin kommen noch dessen Männlichkeitsinszenierungen hinzu. Ja, das ist auch politisch.
- Die Sympathie für völlige Skrupellosigkeit wäre mir suspekt.
- Die Sympathie für gewaltsames Hegemonialmachtstreben wäre mir suspekt.

Nein, bei glühenden Putin- oder Erdogan-Anhängern würde ich auch nicht ein- und ausgehen wollen.

Anonym schrieb am 26.08.2020 07:35

Was ist denn deine Befürchtung bezüglich ihrer politischen Ausrichtung?
LG Doro

Ja, das habe ich nicht genau geschrieben: besonders im ersten Fall, dass ich so was sage, was mir schon auf der Zunge lag oder andere verletzende Sachen. Die Tochter ist recht eng mit meiner befreundet, und ich mag sie sowohl die Eltern gern. Und möchte diese Mädchenfreundschaft nicht ruinieren. Aber andererseits bekomme ich eben auch die Krise, wenn ich da ich der Küche unter dem Hochglanzporträt sitze, einen Tee trinke beim Kind abholen (Wohngebiet außerhalb) ... entweder sage ich was, platze irgendwann oder gehe da nicht mehr rein (was sicher nicht verstanden würde).
In 2. Fall könnte ich wohl besser umgehen, da keine freundschaftliche Beziehung besteht. Auch nicht zwischen den Kindern.
Ano-B TS

Anonym schrieb am 26.08.2020 10:53

Liebe B., dann würde ich es offen und wertfrei ansprechen. Dein Vorteil ist, dass du dich jetzt auf ein solches Gespräch vorbereiten kannst und dass dir nicht irgendwann was raus platzt.
Ich glaube wenn wir versuchen offen und wertfrei anderen zuzuhören, also wirklich zuhören, nicht nur abwarten, bis der andere fertig gesprochen hat, nur um dann unsere Argumente loszuwerden, dann können wir viel lernen. Es sind ja Menschen wie du und ich und sie haben Gründe diese Diktatoren zu verehren. Das kann man natürlich Vorverurteilung und abwerten wie Gary. Aber wenn du ein ehrliches Interesse an den Menschen hast und so klingt es für mich, dann kommst du um ein offenes Gespräch nicht drumrum. Meiner Meinung nach 😉
LG Doro

Gary (Profil) schrieb am 26.08.2020 20:32

...offen und wertfrei ansprechen...
...wenn wir versuchen offen und wertfrei anderen zuzuhören, also wirklich zuhören, nicht nur abwarten, bis der andere fertig gesprochen hat, nur um dann unsere Argumente loszuwerden, dann können wir viel lernen...
...sie haben Gründe diese Diktatoren zu verehren...


Nein, da muss ich deutlich widersprechen.
In einem solchen Fall ist "klare Kante" angezeigt:
Abschuss eines Zivilflugzeugs über der Ostukaine, Annexion der Krim, Bombardierung von Krankenhäusern und Schulen in Syrien, regelmäßig (Gift-)attentate auf Kritiker, Kriegstreiberei in der Ukraine - da gibt es nichts wertfrei zuzuhören und zu lernen.
Gründe, Herrn Putin zu verehren, mag es geben. Sie sind aber nicht akzeptabel.
Ins Gespräch gehen und sich hierauf vorbereiten, ist schon in Ordnung. Aber nicht wertfrei. Sondern klar Ablehnung signalisierend.

Krankenhäuser bombardieren. Übelste Folter in Syrien duldend.
Wie pervers ist das denn?

Da kann man nicht wertfrei rangehen.

https://www.tagesspiegel.de/politik/krieg-in-syrien-amnesty-berichtet-ueber-gezielte-angriffe-auf-schulen-und-krankenhaeuser/25818054.html

natascha (Profil) schrieb am 26.08.2020 21:00

Was bringt das, wenn ich jemand, der von etwas überzeugt ist, meine Ablehnung
Auszudrücken.
Die Menschen ändern sich deswegen nicht,
Eher mal fragen, warum sie so überzeugt sind.
Würde wer meine Überzeugung ablehnen und das auch so ausdrücken, ich glaube, der wäre erstemal nicht willkommen.

Wollen die Menschen sich nicht ändern, wird das auch keiner schaffen.
Ich kann nur für mich entscheiden, will ich Zeit mit den Menschen verbringen oder nicht.


Lg Natascha

Anonym schrieb am 27.08.2020 12:18

Das ist genau mein Problem, vermutlich...
Wenn ich sie nicht mögen würde, könnte ich das Verhalten, also die Putin-Verehrung ganz entspannt ablehnen, und auch den weiteren Bestand der freundschaftlichen Beziehung sch...
Und ich will wohl nicht akzeptieren, dass so liebe und freundliche Menschen sooo anders denken und empfinden als ich.
Ich kenne bzw kannte auch mal einen AfD-Anhänger, den fand ich schon immer schräg und nicht so sympathisch. Aus dem gemeinsamen Umfeld heraus hatten wir oberflächlichen Kontakt. Irgendwann wurde er politisch (am äußeren rechten Rand). Da war es einfach für mich zu sagen: Du, damit musst du mir nicht kommen. Menschen, die so etwas ernsthaft denken, mit denen möchte ich nicht mehr sprechen, über gar nix. Da fehlt jegliche Grundlage für ein Gespräch.

Danke euch für eure Teilnahme. Liebe Doro, werde mal bebrüten, wie ich so ein vorbereitetes Gespräch anfangen kann mit echtem Zuhören.
Ano-B

Anonym schrieb am 27.08.2020 14:45

Wenn du so ran gehst Gary, wird es aber kein Gespräch geben, sondern nur das Abfeuern der eigenen Argumente. Ich habe nicht den Eindruck dass B. das wollte.
Und wenn ich sehe bei welchen Banken die Deutschen so ihr Geld horten und welches schlimme Leid und Elend damit finanziert wird... Da brauchen wir uns nicht über andere erheben. Gespräche und Mitmenschlichkeit sind ein guter Weg um miteinander klar zu kommen. Natürlich kann ich die beiden Diktatoren ablehnen. Aber warum befreundete Familien sie verehren, würde mich trotzdem interessieren. Und zwar aus ehrlichem Interesse.
LG Doro

Sheherazade (Profil) schrieb am 26.09.2020 21:34


Vielleicht kann dir Christoph Sieber helfen, dein Unbehagen zu überwinden.

https://www.youtube.com/watch?v=SRWD5hWpebc

Dass jetzt Putin an der Macht ist, geht auf die Ära Jelzin zurück. Damals haben die USA in den russischen Wahlkampf eingegriffen. Es gab mal eine Geschichte in der ZEIT, wo es darum ging, wie man in dieser Zeit Häuser entmietet hat in Moskau. Die Amis haben dort eine mörderische Variante von Kapitalismus etabliert.... also: noch mörderischer....
Kann man auch bei Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch nachlesen, z.B. "Seht mal, wie ihr lebt. Russische Schicksale nach dem Umbruch".
Oder über westliche Moral bei Michael Lüders, Wer den Wind sät...

LG S.


Mornica (Profil) schrieb am 28.09.2020 17:39

Danke, aber das Unbehagen wird dadurch noch verstärkt...

Unrecht wird nicht besser, nur weil andere auch Unrecht tun.
Zumal die Menschen, die da drunter zu leiden haben, im der Regel gar keine Wahl hatten, im wahrsten Sinne des Wortes.
Putin war für mich noch nie gut.
Auch wenn - wie so oft in der Weltgeschichte - andere seine Position und Macht erst möglich gemacht haben.
Es erschließt sich mir jedenfalls nicht, wieso ich ihn und seine "Poltik" deshalb weniger schlimm finden soll.
Gruß
Bettina
PS: zum angeblich rechtmäßigen Referendum auf der Krim empfehle ich folgenden Link https://de.wikipedia.org/wiki/Referendum_%C3%BCber_den_Status_der_Krim?wprov=sfla1
Oder wenugstens Gedanken darüber, wie frei eine Abstimmung ist, wenn bereits eine Besetzung stattgefunden hat und es die Wahl zwischen 2 Optionen gibt, aber keine davon ist der Verbleib bzw die Rückkehr zur Ukraine.

Anonym schrieb am 29.09.2020 10:13

Da der Fred schon einmal oben ist, würde mich sehr interessieren, liebe TS, wie die aktuellle Lage ist.
LG Doro

Anonym schrieb am 30.09.2020 17:38

Danke, dass du fragst. Ich habe mir ein etwas überlegt und ein paar Stichworte aufgeschrieben sowie "Regiehinweise" (fragen, nicht vorwerfen; hören, um zu verstehen und nicht um zu antworten usw).
Wie es manchmal so ist, gab es in der letzten Zeit gar keinen persönlichen Kontakt zwischen mir und den Eltern. Das Mädchen war hier bei uns und ging runter, wenn die Eltern zum Abholen kamen (extreme Parkplatzsituation hier) oder meine Tochter kam mit anderen nach Hause...
Vielleicht ganz gut, ich merke, dass ein bisschen Abstand der Sache gut tut.
TS

Anonym schrieb am 30.09.2020 17:41

Danke, dass du fragst. Ich habe mir ein etwas überlegt und ein paar Stichworte aufgeschrieben sowie "Regiehinweise" (fragen, nicht vorwerfen; hören, um zu verstehen und nicht um zu antworten usw).
Wie es manchmal so ist, gab es in der letzten Zeit gar keinen persönlichen Kontakt zwischen mir und den Eltern. Das Mädchen war hier bei uns und ging runter, wenn die Eltern zum Abholen kamen (extreme Parkplatzsituation hier) oder meine Tochter kam mit anderen nach Hause...
Vielleicht ganz gut, ich merke, dass ein bisschen Abstand der Sache gut tut.
TS Ano-B