"Meine Tochter hasst es Einzelkind zu sein.. und mir blutet das Herz dabei "

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Anonym schrieb am 19.07.2020 22:51

Meine Tochter hasst es Einzelkind zu sein.. und mir blutet das Herz dabei

Hallo, ich muss mir etwas von der Seele schreiben..
Meine Tochter (fast 8) leidet schon mindestens 5 Jahre daran ein Einzelkind zu sein :( sie fragt oft ob wir noch Kinder kriegen könnten..sie betet oft für ein Geschwisterchen, wobei in letzter Zeit meinte sie es bringe eh nichts, vielleicht gibt es den Gott ja gar nicht, sonst hätte er sie schon erhört.
sie beneidet (richtig heftig) ihre Freunde und Nachbarskinder um ihre Geschwister.. die Freunde wissen es und treffen sie beim Streit immer an diesem wunden Punkt.. es tut mir so leid für sie..

sie ist unser Wunder nach 6 Jahren Kinderwunsch. Nach ihr hätte ich evtl gleich noch ein Kind kriegen können (die Regel und Eisprung war alles wieder da für 1-2 Jahre), aber mein Mann hat sich ganz bestimmt dagegen entschieden, erneut Kinderwunsch angehen wäre ihm zu viel..

ich denke manchmal (eigentlich ziemlich oft) ich hasse ihn dafür, und mich auch gleich mit, da ich keine Kraft hatte ihn zu überzeugen.. und kein Mut ihn zu verlassen.
Ich war noch 1 Mal danach überraschend schwanger, es war ein 6er im Lotto und meine Tochter war soooo glücklich (mein Mann eigentlich auch). Leider ist das Baby in meinem Bauch gestorben, Ende 4. Monats, einfach so... ich habe immer noch nicht die Kraft, den Arztbericht abzuholen ( es war vor 4 Jahren passiert) ...

Und das wars.. Nach der Asschabung habe ich (vor stress? oder Hormonen?) Tinnitus und fast Burnout gekriegt und dann ging irgendwie alles schnell und an Kinderwunsch völlig vorbei, kein erneues Wunder, keine Kiwu Behandlung, denn mit 37-38 suchten mich die Wechseljahre auf..

Jetzt bin ich 40; habe leidendes Kind, dem ich seinen größten Wunsch nicht erfüllen kann; bescheidene Ehe, in der mich leider der Gedanke zerfrisst, dass es evtl anders gelaufen wäre, wenn mein Mann sich nicht gegen das 2.te Kind entschieden hätte..

ich habe ein permanentes Gefühl, wir Eltern haben unserem geliebten Kind das Recht auf Geschwisterbeziehung geraubt.. und mein Herz blutet..

Klar gibt es viele gute Tage, und dann kommt einer wie heute, wo meine Tochter nachdenklich und leicht schluchzend sagt, sie wünschte sie wäre XY, denn sie hat viele Geschwister, Cousins, Onkel, Tanten etc..

Ich kann‘s nicht bieten :( Nicht mal ein Cousin oder Cousine gibt es :( ich bin so traurig darüber. ich weiß es gibt schlimmeres, aber diese Gedanken lassen mich weinen... heimlich, natürlich, denn mein Umfeld würde es nicht verstehen...

ano, da sehr privat ..

Antworten

Anonym schrieb am 19.07.2020 23:33

Fühl dich gedrückt, wenn du magst.
Du bist nicht allein, es geht mir ähnlich, auch wenn mein Kind wohl nicht ganz so arg leidet wie deines. Der Wunsch nach einem Geschwisterchen ist hier auch immer wieder Thema. Obwohl wir nie ein Haustier wollten (und das ja auch kein Ersatz sein kann), werden wir uns jetzt wohl eines zulegen, weil das auch ein Herzenswunsch ist und eben erfüllbar...
... unser Kind weiß, wie lange wir auf es gewartet haben und auch, dass kein weiteres Kind kommen kann. Es gab auch schon Tage, an denen es das gut fand, weil ich so nur ihre Mama bin und somit nur ihr gehöre.

Anonym schrieb am 20.07.2020 08:12

Ich kann dich bis zu einem gewissen Punkt gut verstehen, denn auch wir haben lange um unser erstes Kind gekämpft. Bei uns hat sich das Blatt allerdings ganz anders gewendet, denn wir haben ein zweites in Angriff genommen und gleich im Doppelpack bekommen. Und das vierte hat sich nun ganz gegen alle Wahrscheinlichkeiten eingeschlichen und ist (im Gegensatz zu eurem Wunder) auch geblieben. Ich werfe jetzt einfach mal ein paar Gedanken dazu in den Raum:

Ich glaube, dass Kinder je nach Temperament in jeder Geschwisterkonstellation mehr oder weniger (un)glücklich sein können. Ich weiß von Jugendlichen in Großfamilien, die sagen, ich will auch 4/5/6 Kinder später und solchen aus der gleichen! Familie, die sagen mehr als ein oder zwei Kinder auf keinen Fall.

Geschwisterkonstellationen können gut laufen oder die Kinder sind wie Hund und Katz, das kannst du als Eltern meiner Meinung nach wenig beeinflussen. Und Kinder können Großfamilienmenschen sein oder Einzelgänger, auch darauf hast du keinen Einfluss.

Einzelkinder stellen es sich toll vor, immer jemanden zum Spielen zu haben, klar. Die negativen Seiten mit Streit, immer teilen müssen (insb. Aufmerksamkeit der Eltern) und immer alles vom großen Geschwister erben, ggf. wenig Platz (Kinderzimmer teilen etc.) sehen sie nicht.

Geschwisterkinder wünschen sich dagegen manchmal (oder oft), sie wären allein und müssten nicht immer die Aufmerksamkeit der Eltern/Omas/Opas etc. teilen. Wenn ich sehe, wie unsere drei "Großen" manchmal um meine Aufmerksamkeit buhlen, dann blutet mir auch das Herz und ich frage mich, wie ich noch einem weiteren Kind gerecht werden soll. Wie schön und entspannt war das mit einem Kind. Wieviel Zeit und Aufmerksamkeit hatten wir für alle ihre Bedürfnisse als sie klein war und wie wenig für die der Geschwister, als sie im gleichen Alter waren, weil da eben immer noch zwei Aufmerksamkeit brauchten.

Ihr könnt die Situation nur so nehmen, wie sie ist. Und dass sie so ist, lag nur sehr begrenzt in Deinem/Eurem Entscheidungsspielraum. Was du aus meiner Sicht tun kannst (wenn du es nicht sowieso schon tust):

Sprich offen mit deiner Tochter, wenn sie traurig ist. Du sagst, sie betet für ein Geschwisterchen, weiß sie denn ganz klar, dass keines mehr kommen kann? Sag es ihr. Sag ihr, dass du auch manchmal/oft traurig darüber bist. Weint gemeinsam (das würde auch dir gut tun)! Und dann erzähle ihr, dass auch Geschwister haben oft schwer ist und betrachtet gemeinsam die Vorteile des Einzelkinddaseins. Lenke ihren Blick und ihre Gebete um darauf, dass sie bitten kann, sich in ihrem Leben und ihrer Rolle wohl zu fühlen, denn ändern (im Sinne von Geschwister hervorzaubern) kann auch Gott sie nicht.

Sei dir bewusst, dass ähnliche Tränen und Trauertage auch da wären und ihr Kummer ebenso schmerzhaft für dich, wenn es Geschwister gäbe, nur dann aus dem gegenteiligen Grund ("ich wünschte, ich müsste nicht immer alles teilen", "ich hasse xy", "ich wünschte, du wärest nur meine Mama").

Ich vermute, dass dich ihre Tränen so schmerzen liegt v.a. daran, dass es dich selbst verständlicherweise so schmerzt, kein weiteres Kind zu haben. Vielleicht findest du auch da einen Ansatzpunkt, ihr zu helfen indem du dir hilfst? Ein/e Gesprächspartner/in von einer Lebensberatungsstelle (Caritas o.ä. bieten so was meist an) z.B. um einfach mal alle Gefühle zu sortieren (von Therapie will ich gar nicht reden, sondern manchmal hilft es nach meiner Erfahrung, einfach mal mit einer/m Außenstehenden an den Fäden zu ziehen). Dort kannst du auch deine Tränen rauslassen, denn sie sollen gesehen werden!

Ich drück dich!

Anonym schrieb am 20.07.2020 12:01

Hui, da hat mir meine Vorschreiberin schon viel vorweg genommen, was ich noch formulieren mußte :-D. Meine Tochter ist auch knapp 8 und wünscht sich auch oft ein Geschwister, ich hatte vor und nach ihr je eine Fehlgeburt, es trotzdem weiter versucht aber dann halt irgendwann aufgegeben. Ich arbeite in einer neurologischen Kinderarztpraxis und weiß dadurch leider noch genauer welch ein Glück es ist ein gesundes, und vor allem glückliches Kind zuhaben. Ich rede sehr ehrlich mit ihr, sage ihr, dass ich auch oft unglücklich war, dass es nicht noch mal klappen sollte, dass ich viel geweint habe aber mich jetzt einfach an ihr erfreue, zähle ihr die Vorteile auf und sage ihr, dass es auch in Ordnung und gut ist mal traurig oder wütend zu sein - wäre sie kein Einzelkind, wäre es etwas anderes was sie zwickt... Außerdem ist Blutsverwandschaft nicht immer gleich Seelenverwandschaft - meine besten Freundinnen (eine seit 38 Jahren, eine seit 30 Jahren) stehen mir DEUTLICH näher als meine Geschwister. Ihr seht, mein Geschreibsel ist viel unordentlicher als das meiner Vorschreiberin, dabei meine ich genau das gleiche :-D.
Es ist wie es ist, vielleicht musst du dir damit auch noch etwas mehr ins Reine kommen um ihr das auch vermitteln zu können!? Das ist nicht böse gemeint!!! Ich drück euch die Daumen für einen guten Weg!

dorle (Profil) schrieb am 20.07.2020 15:35

Man muss Dinge loslassen um glücklich zu sein.
Du hasst schon deinen Mann und dich selbst... Dein Kind spiegelt dich.
Konzentriere dich auf die schönen Dinge in deinem Leben und sei glücklich mit dem was du hast.
Nimm etwas in Angriff was dich glücklich macht.
Unterstützt doch als erstes ein unbekanntes Kind irgendwo....

Anonym schrieb am 20.07.2020 16:44

Hallo Du Liebe!
Fühl Dich erstmal gedrückt!
Die erste Ano hat schon viele meiner Gedanken geschrieben, will nur noch ein paar Gedanken hinzufügen.
Es gibt einige Kinderrechte (von deren Einhaltung die meisten Kinder auf dieser Welt nur träumen können...), aber ein Recht auf Geschwister gehört nicht dazu. Ich kann gut nachvollziehen, dass der Gedanke "Was wäre gewesen, wenn" Dich immer wieder beschäftigt. Aber Du weißt nicht, ob Du wirklich kurz nach der Geburt Deiner Tochter schwanger geworden wärst. Du weißt nicht, ob das Kind geblieben wäre, etc...
Es wäre schade, wenn dieser Gedanke Deine Familie zerfrisst und kaputtmacht. Dein Mann war vielleicht an der Belastbarkeitsgrenze in dieser psychisch nicht leichten Situation.
Ich denke auch: such Dir jemanden, mit dem Du darüber reden kannst. Du musst das nicht mir Dir allein ausmachen.

Zum anderen denke ich: man kennt immer nur die Nachteile seiner eigenen Situation - die Nachteile einer anderen erlebt man ja nicht. Sicher hat Deine Tochter auch Freunde, die ihr erzählen können, dass Geschwister haben nicht immer nur toll ist. Geschwister verstehen sich nicht automatisch gut. Ich hab hier zwei, die wie Feuer und Wasser sind und mich in jüngeren Jahren oft an den Rand gebracht haben mit ihrer ununterbrochenen Streiterei.
Meine Kinder finden´s auch manchmal ätzend, dass wir vieles nicht machen können, was für andere Familien selbstverständlich ist: öfters mal wegfahren (zu teuer für 6 Leute), einfach mal essen gehen, Kleider kaufen etc.

Ich wünsche Dir, dass Ihr/dass Du Frieden schließen könnt mit Eurer Situation. Nicht im Sinne von "Wir müssen jetzt damit zufrieden sein", sondern Frieden damit schließen, wie es ist und auch die Vorteile sehen können.
Herzliche Grüße und alles Gute für Euch drei
Christine