"Spielzeug und ADHS"

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Anonym schrieb am 02.02.2020 15:32

Spielzeug und ADHS

Hallo ihr Lieben,

nach langem Diagnose-Weg haben wir nun Gewissheit. Unsere 5jährige ist ein ADHSler.
Verzögerung in der Sprachentwicklung, ewige Unruhe, kaum Ausdauer beim Spielen (von Malen oder Basteln ganz zu schweigen), maximal impulsiv...ein Wirbelsturm auf zwei Beinen.

Ich möchte den Spielbereich gern umgestalten. Alles mit Licht oder Geräusch ist erstmal entfernt worden.

Jetzt ist das Zimmer bis auf Trampolin und Kuscheltiere leer.

Sie spielt einfach gar nicht. Sie wirft mit den Kuscheltieren, einfach nur so , haut die Geschwister damit.
Die Ergo hat „gutes Holzspielzeug“ empfohlen. Aber mir graust vor dem Werfen...und was überhaupt?
Mit Ostheimer hat sie nie gespielt.
Bauernhof?
Eisenbahn?
Puppen mag sie nicht...

Mir fehlen da die Ideen.

Was würdet ihr raten?
Gibts vielleicht sogar Erfahrungen?

Ach so, Montessori findet sie ab und zu toll. Werkzeug. Alles was Action verspricht...

Liebe Grüße

Anno-wegen-Kind

Antworten

Camilla (Profil) schrieb am 03.02.2020 07:02

Wenn sie sowieso nicht mit Ostheimer und Puppen spielt, würde ich erstmal in die Bewegungsrichtung denken beim Einrichten. Was hier bei allen drei Kindern (5,2,2) auch ohne ADHS viiiiel bespielt wird, sind Kletterbogen mit Rutschbrett, Kuschelhängehöhle (auch zum Schaukeln), Tücher, Decken und Kissen in allen Größen und Stoffarten (zum Verkleiden, Höhlen bauen etc.), Verkleidekiste.

Ansonsten fiele mir noch ein Wobbel*board o.ä. ein, damit liebäugele ich schon lange, wir haben aber leider keinen Platz.

Stopptanz ist hier bei der Großen grade ganz beliebt als Spiel. Grade im Winter, wenn wir nicht jeden Nachmittag 2 h draußen sind, merke ich, dass die Bewegungsangebote sehr gefragt sind. Und dass, obwohl unsere Kinder, v.a. die Große, eher ruhig sind.

Konstruiert sie? Hier spielt die Große seit Weihnachten sehr viel mit dem Le*go Dup*lo, das eigentlich die kleinen Schwestern bekommen haben. Das hat mich echt überrascht. Im KiGa gibt es so Magnetbausteine (sowas wie im Link, gibt es sicher auch andere Verkäufer/Hersteller), die lieben sie auch alle. Eine Kiste Holzbausteine ginge auch in die Richtung, aber da ist die Verlockung des Werfens wieder größer.

Ansonsten wäre meine Idee, das was sowieso schon da ist durchzutauschen. Also z.B. nur die Holzeisenbahn anbieten, wenn die nicht bespielt wird, Kiste in den Keller und was anderes hoch. Aber eben wenig Verschiedenes auf einmal.

LG Camilla

https://www.backwinkel.de/index.php?cl=details&anid=d8cda6e38402e08879e413b47b1649a0&utm_source=google&utm_medium=mc&utm_campaign=gshopping&gclid=EAIaIQobChMI-qqw7Ni05wIVlOh3Ch2wXgG6EAQYBCABEgLp9_D_Bw

Anonym schrieb am 03.02.2020 08:35

Bei meinem noch nicht endgültig diagnostizierten, aber „unter Verdacht stehenden“ Kind ist mir auch zuerst das völlig andere Spielverhalten im Vergleich zu Gleichaltrigen/Geschwistern aufgefallen. Seine Ausstattung hat sich deshalb mehr oder weniger an ihm entwickelt.

Er hat einen kleinen, sehr gut strukturierten Schreibtisch (ein altes Schulpult), das er sehr konsequent für seine Hausaufgaben nutzt. Außerdem liegt dort immer Papier, wenn ihm nach Malen ist. Das beruhigt ihn auch in emotionalen Phasen. Dazu Malbücher und Ausmalbilder.

Zur freien Verfügung hat er Puzzle, in die er sich für seine Verhältnisse lange hineinvertiefen kann. Manchmal liegt der ganze Boden voll fertiger Puzzle und es ist ein Kampf, sie wieder wegräumen zu dürfen.

Playmobil kommt gut an. Unterm Bett ist eine offene Unterbettkommode, in der alles Playmobil anschließend hineingepackt werden kann, damit kein Chaos entsteht.
Manchmal holt er sich die Duplo-Kiste mit der Murmelbahn und baut. Aber das dann eher nicht so ausdauernd.

Verkleidung ist ganz groß angesagt. Rollenspiele. Er hat die zwei Verkleidungskisten in seinem Zimmer, sowie eine Sitzecke (altes 140x70-Bett) mit vielen Kissen und Decken, so dass er sich oft Höhlen baut.

Ein paar wenige Lieblingsbücher sind ebenfalls da. Eine kleine Kiste mit herumfliegenden Autos, Jojo usw. Hat er auch, aber die sortiere ich immer wieder aus.

Generell ist mein Kandidat aber einer, der wenig Zeit in seinem Zimmer verbringt. Entweder hängt er seinen Geschwistern auf der Pelle (was immer wieder zu Ärger führt, weil die halt filigran mit Lego bauen oder mikroskopieren oder sonstigsten machen, wozu ihm die Geduld fehlt) oder er ist bei mir und wir kochen und backen und machen Haushalt oder er springt draußen herum.

Ich würde auch sagen: Versuch macht kluch. Was deinem Kind nicht gut tut, was es unruhig, aggressiv macht, kannst du aussortieren, man kann es ja später wieder probieren. Bei meinem Kind habe ich aber das Gefühl, dass er das selbst gut einschätzen kann. Er ist etwas älter als deins, der Geburtstag steht jetzt an und im Gegensatz zu Gleichaltrigen, die sich die verrücktesten Sachen wünschen, wünscht er sich die Polizeistation von Playmobil - wo ich immer denke, das ist doch in dem Alter nicht mehr so attraktiv, oder?! Aber für ihn halt schon. Da geht kaum was kaputt, wenn er ungestüm spielt, es kommt seiner Grobmotorik entgegen und Rollenspiele liebt er eh.

Ansonsten haben wir ein Trampolin im garten, Roller und Fahrräder zur freien Verfügbarkeit und er geht zum Judo, was uns von der Psychiatrie empfohlen wurde (Individualsportart - eben Kampfsport, Fechten o.ä.). Insgesamt finde ich die schöne Jahreszeit immer entspannter als diese verregneten Winter ;)

Fashymama (Profil) schrieb am 03.02.2020 11:16

Wir hatten auch ein ADS Pflegekind.
Zimmer leer räumen war gut. Mein Mannhat einen großen abschließbaren Schrank gebaut. Da kam alles Spielzeug in Kisten rein und er durfte immer eine tauschen.
Ein paar Bücher und Kuscheltiere waren immer draußen.

Ich denke auch, dass Bewegungsmöglichkeiten gut sind, aber letztlich solltest du dein Kind fragen was für Spielzeug es will.
Es nützt nichts tolle Empfehlungen zu kaufen und das Kind mag lieber Playmobil....

Anonym schrieb am 03.02.2020 16:11

Hallo Anno,

das Kind einer Freundin mochte Pickler Spielgeräte sehr gerne und basteln, Zinnsoldaten (Sammlung des Vaters) mit winzigen Kanonen. Mit Alufolie bastelte er kleine Kanonenkugeln. Weiterhin hielt er sich mit Freude in der Natur und auf Spielplätzen auf.

Recht früh kamen geistige Interessen hinzu: Orgeln anschauen, malen und hören, Astronomie mit häufigen Besuchen des Planetariums.

Beliebt war auch die Serie Mr Bean ;o).

Haustiere gingen gar nicht. Die quälte er. Ansonsten hielt er auch lieber Abstand zu anderen Kindern.

Einschulung erfolgte erst mit 7. Hinzu kam ein Schulhelfer.

Alles Gute,

Anonyma

Anonym schrieb am 03.02.2020 22:10

Hallo TS,

unsere 5jährige Tochter hat ebenfalls ADHS, allerdings wissen wir das schon sehr lange, denn sie hatte im Säuglingsalter eine massive Hirnblutung. Dadurch wurden die Teile im Frontalhirn geschädigt, die für die Aufmerksamkeit und Impulskontrolle zuständig sind.

Das Wurfproblem kennen wir alle nur zu gut :-)
Unsere zieht auch gerne den Geschwistern dann im Spiel urplötzlich an den Haaren. Ja diese Impulsivitat ist eine Herausforderung. Aber ich sehe auch gute Fortschritte.

Bewährt hat sich bei uns: allgemein eine sehr reizarme Umgebung mit wenig offenen Möbeln, Hüpfpferd, Trampolin, Pikler Dreieck mit Rutsche, Hängehöhle (vorwiegend zum Schaukeln), Zügelmatz (zum Pferdchen spielen), Bauklötze aus Schaumstoff (eben aus dem Wurfproblem, zum Hindernisparcours bauen), Matratze im Wohnbereich, Seifenblasen fangen spielen, zu Bewegungsliedern tanzen (schult zuhoren und umsetzen), viel Rennen lassen, mit dem Luftballon spielen, dass er nicht den Boden berührt, einen Schaumstoffball zum Kicken.

Bauen mit härteren Sachen etc.nur mit einem Erw. als "Begleitung" in ruhiger Atmosphäre meist ohne Geschwister.

Natürlich draußen auch entsprechende Fahrzeuge als Angebot.

Unsere Tochter malt auch nicht mit Stiften (kritzeln), aber sehr gut mit Waserfarben. Knete ist auch super. Malen geht auch besser im Stehen mit Papier an der Wand oder eine Tafel.

Mit der Konzentration ist es natürlich nach ausreichender Bewegung viel besser.

Falls du noch mehr wissen magst, dann meld dich nochmal. Ich verteile bei diesem sensiblen Thema ungerne ungefragt unsere Erfahrungen.

AnoTochter

Anonym schrieb am 03.02.2020 22:15

Noch als Ergänzung : unsere werkelt auch gern mit dem Papa.

Von Montessori Material kann ich dir die liegende Acht empfehlen. Auch zum Nachmalen in der Luft/auf Papier.
Farbige Chiffontücher oder Seidentucher zum Hochwerfen und Fangen.

Und evtl könnten auch verschiedene kinesiologische Übungen was für euch sein.

schokine2008 (Profil) schrieb am 06.02.2020 08:13

Bei uns war alles gut, was man irgendwie sortieren konnte. Das hat ihn entspannt. Aber auch Geschwisterstreit verursacht, wenn jemand sein system durcheinander brachte. Hängehöhle wurde dagegen nicht genutzt, keine innere Ruhe. Die habe ich übrigens noch da, falls jemand eine braucht ( grün/blau). Also die Hängehöhle, nicht die innere Ruhe ;-)

Gute Erfahrungen haben wir mit Fantasiegeschichten und Entspannungsmusik gemacht.

Anonym schrieb am 10.02.2020 10:34

Ausgangsanno nochmal

Jaaa, ich würde sehr gern mehr hören. Auf jeden Fall!

Aktuell schmeißt sie einfach das ganze Familienleben über den Haufen. Keine Mahlzeit ohne verschütteten Saft, fliegende Brote, sie isst nichts, weil sie mit dem essen spielt, hat dann später Hunger, Stuhl kippt, aufstehen, rum rennen, muß nötig Pippi...nee, doch nicht. Jetzt aber doch.

Eigentlich bleibt sie keine Sekunde alleine, sie hat jetzt einen Tisch-Kicker bekommen, damit wir überhaupt mal etwas ZUSAMMEN spielen können. Gesellschaftsspiele jeder Art sind schwierig, führen zu Wut, Frust, aufstehen, weglaufen,

Und mir fehlt einfach die Kraft ganz oft. Kraft für Konsequenz und Kraft dafür ruhig zu bleiben (da sind noch drei andere Kinder...und ein Job und ein Mann).

Der Kindergarten beschwert sich. Sie spricht schlecht, arbeitet aber in der LOGO quasi gar nicht mit. Will nicht. (% ist auch ne blöde Phase. Ist wild, rennt Kinder um, hebt Kinder hoch, kann nicht dosiert mit anderen Kontaktaufnehmen (sie ist aber nicht böse, sie freut sich einfach irre an den Kindern...)

Sie hat jetzt ne Ritterburg bekommen. Damit spielt sie mit Papa zusammen. Das geht. Man kann halt ne Menge machen (Gefängnis, Rammbock, Kapapult...). wir haben ganz einfache Figuren dazu selber aus Fimo gemacht. Das fand sie klasse. Jetzt möchte sie sich ein paar Pferde machen. Aber geht halt alles nur unter Aufsicht.

Sie ist nicht dumm. Evolution interessiert sie grade, Entstehung der Arten. Sie fragt viel, möchte stundenlang Bücher lesen und erzählen, weiß auch viel. Aber auch beim Lesen muss sie aufstehen, oder malen, oder jetzt dringend irgendwas machen...

Es ist halt sehr anstrengend, finde ich grade.

Wie strukturiert ihr denn den Alltag? Wir haben als Empfehlung eine Tafel mit Kärtchen bekommen. Aber versucht mal Tagesablauf mit 4 Kinder in sechs Kärtchen zu fassen:-))) Quasi unmöglich. Ausserdem nimmt sie die Kärtchen ständig von der Tafel, weil sie Magnetismus so toll findet...

Belohnungssytheme gehen nur bedingt. Sie will dann immer mehr und immer größere Belohnungen für die gleiche Aufgabe.

Ich will gar nicht an den Schulanfang im nächsten Jahr denken...da wird mir ganz übel...

Müde Grüße

Clarita (Profil) schrieb am 10.02.2020 13:25

@Schokine: hast Mail wegen der Hängehöhle

Anonym schrieb am 11.02.2020 18:29

Ich kann zwar selbst nicht weiterhelfen, doch im Blog vom gewünschtesten Wunschkind ist vor nicht allzu langer Zeit ein mehrteiliger, sehr detaillierter Blogartikel über ADHS veröffentlicht worden. Der war ziemlich gut geschrieben.
Alles Gute und viele Grüße
Sakeena

Anonym schrieb am 14.02.2020 11:30

Hallo TS,

diese schwierigen Situationen beim Essen kenne ich 1:1. Unsere Tochter isst viel besser, wenn Sie bei mir auf den Schoß darf. Und wenn wir nur zu zweit essen, das ist allerdings nur selten möglich.
Wir haben auch solche Bewegungshocker am Tisch, die dürfen natürlich auch genutzt werden. Und manchmal geht Essen nur bei um den Tisch laufen und dann immer einen Bissen abholen. Nicht toll für die anderen, aber sie kann ja auch nichts dafür. dass es in ihrem Kopf so zugeht.

Ich habe auch schon von einer Gewichtsweste gelesen, vielleicht ist das auch eine Idee für euch.

Wie ist es bei euch denn mit dem Schlafen oder dem Abends runterkommen?

Bei der Logo könntest du vorschlagen, dass eben Übungen gemacht werden, bei denen sie sich bewegen darf. Trampolin hüpfen oder was auch immer. Diese Kindern erhöhen ja extra ihre Konzentration durch die Bewegung!

Mit diagnostiziertem ADHS könnt ihr einen Pflegegrad beantragen. Könntet im Kindi eine Integrationskraft bekommen und für die Schule eine Schulbegleitung.

Ich lese sehr gerne auf der mit-Kindern-lernen Seite. Da gibt es sehr viele Infos.
Das Buch von den beiden heißt "Erfolgreich lernen mit ADHS". Ich habe es noch nicht, möchte es aber dringend lesen.

Mh, wie strukturieren wir unseren Alltag. Immer ziemlich gleiche Abläufe, also Kindi, Mittagessen, Ausruhzeit, Spielzeit, Abendessen, Bett fertig, Vorlesen. Was speziell sichtbares haben wir dafür tatsächlich nicht. Die Abläufe sind einfach bekannt.

Ich weiß nicht, ob du dich schon mit dem Thema Ernährung beschäftigt hast?
Es gibt da einige Empfehlungen, wir fahren recht gut damit, ernährten uns aber eh schon vorwiegend so (Omega 3 reich, keine Farbstoffe, kein rotes Fleisch, wenig Zucker, wenig Getreide). Ich kann die PDF nicht verlinken, du kannst nach Oligoantigene Diät bei ADHD googeln, dann kannst du dir eine ganz ausführliche PDF von der Uni Freiburg runterladen.

Genügend Bewegung ist natürlich wichtig, Sportarten am besten einzeln und kein Mannschaftssport.

Ich hole mir Entlastung durch regelmäßige Betreung nachmittags an 3 Nachmittagen die Woche (Oma, Papa, Kindersitterin). Denn 1:1 Betreuung mit einem Erwachsenen geht sehr gut. In der Kinder Stunde hat sie eine feste Person, die sich um sie kümmert.

Zum Spielzeug hatte ich ja schon was geschrieben. Einfach wenig mit viel Bewegungspotenzial.

Alles Gute für euch!

https://www.mit-kindern-lernen.ch/meine-schueler/ads-adhs

Anonym schrieb am 14.02.2020 11:32

Da gibt es auch spezielle Eltern Workshops. Ist in Zürich.

https://www.mit-kindern-lernen.ch/adhs-lernstoerungen/elternworkshop-qerfolgreich-lernen-mit-adhsq

Anonym schrieb am 14.02.2020 11:36

Eine super Serie im Schweizer Eltern Magazin Fritz und Fränzi.
Über die multimodale Therapie bei ADHS.

Und vielleicht habt ihr in derGegend die Möchlichkeit euch Neurofeedback anzuschauen. Das ist wirklich super.

https://www.fritzundfraenzi.ch/gesundheit/psychologie/adhs-serie

susan123 (Profil) schrieb am 15.02.2020 09:48

Ich habe keine Erfahrungswerte, beschäftige mich aber gerade mit der Stoffwechselstörung HPU und lese immer wieder dass Kinder mit ADHS das auch oft haben.unentdeckt leider, da Ärzte ja oft nicht über den Tellerrand schauen.
Es ist leicht im Urin zu testen. Falls du nähere Infos möchtest, schreib mich gerne an.
Silvie Punkt benz at gmx punkt net
Wie gesagt, ist einfach ein weiterer Gedankengang neben Ernährung.