"Elternschule - in der Mediathek der ARD "

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solskinn (Profil) schrieb am 03.07.2019 23:04

Elternschule - in der Mediathek der ARD

Letzten Oktober war es hier Thema: Der Film "Elternschule". Er ist bis 10. Juli in der Mediathek der ARD anzuschauen.
Ich fange jetzt mal an und gucke, wie viel ich heute ertrage.

Grüße!

https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/elternschule-100.html

Antworten

Anonym schrieb am 04.07.2019 07:02

Danke für den Tipp!!

LG Doro

Anonym schrieb am 04.07.2019 10:46

Ich bin jetzt bei Minute 25 und weiß nicht, was ich von dem Film halten soll.
Der Arzt / Psychiater sagt ja schon nachvollziehbare Dinge, aber der Umgang mit den (zum Teil sehr sehr kleinen) Kindern gefällt mir nicht. Kommt mir lieblos, teils auch zynisch rüber.
Diese "Probleme", die die Eltern erzählen kommen mir aber sehr bekannt vor.
Ist das aber nicht normal?
Einschlafbegleitung viele Jahre >> dann ist das Kind doch nicht der Boss sondern ich gehe auf das Kind ein, ich mache es gerne, weil ich mein Kind liebe und weil es für mich eine schöne Beschäftigung ist.
Meine Kinder sind jetzt noch sehr wählerisch beim Essen obwohl sie schon Schulkinder sind. Eines meiner Kinder isst ca. 4x die Woche mittags Waffeln mit Apfelmus. Alternativ Nudeln, Reis+Fleisch, Pizza und ab Spätherbst Kürbissuppe. Das wars, mehr isst es nicht. Mit Zwang komme ich nicht weiter.
Kinderarzt sagt, es macht einen fitten Eindruck. Deswegen gehe ich doch nicht in eine Psychosomatische Klinik (????).
In der Schule sind meine Kinder angepasst, eher schüchtern und unauffällig.
Komischer Film...…

Anonym schrieb am 04.07.2019 11:28

Dieser Film ist ja zum Kinostart schon sehr heftig kritisiert worden. Wenn du googelst findest du viele Kontroverse Diskussionen und Expertenmeinungen. Ich habe den Film nicht gesehen und werde ihn mir vermutlich auch nicht ansehen. Habe aber viel dazu gelesen, ich glaube wichtig ist zu wissen, dass der film.nicht als Elternratgeber zu verstehen ist, sondern, dass Extremfälle gezeigt werden in denen es darum geht einzugreifen bevor "schlimmeres" passiert. Also Kinder zum Essen bringen bevor sie künstlich ernährt werden müssen, die Beziehung zwischen Kind und Eltern wieder herstellen bevor "Gewalt" passiert...
Naja viele Wege führen nach Rom. Ich lehne alles was mit psychischer Gewalt, künstlicher Autorität und das Kind in den Mittelpunkt des Problems stellen zu tun hat ab.
Mein Mann hat jahrelang in einem (anthroposophischen) Heim für psychisch pflegebedürftige Kinder gearbeitet und auch zu Hause haben wir als Kurzzeitpflegeeltern immer wieder mit vermeintlich "schwierigen" Kindern zu tun. Meiner Meinung nach sind Kinder Spiegel dessen was ihnen widerfahren ist. und man kommt mit einem liebevollen, zugewandten Erziehungsstil auf Augenhöhe weiter. Bei uns läuft natürlich auch nicht immer alles nach Plan und hier sind auch nicht 24/7 Friede,Freude , Eierkuchen. Es kommt eben sehr darauf wie man Probleme als Familie meistert und das geht sehr gut ohne Bestrafungen, Konditionierung und "unnatürliche" Bedingungen.

Tiana (Profil) schrieb am 04.07.2019 19:36

Der Film ist schon harte Kost. Ich habe ihn gestern erst gesehen und mich im Laufe an die Diskussion hier erinnert. Letztlich finde ich sieht man sehr verzweifelte Eltern die nach einem Strohhalm greifen. Über das wie gearbeitet wird kann man sich streiten, aber dass da gravierende Probleme bei den Eltern bestehen steht außer frage. Ich denke deshalb ist es auch ok wenn ein Kind eben nur bestimmtes isst aber es allen gut damit geht. Wenn ein Kind aber Feststeckt in einem Kreislauf aus nicht essen, nicht schlafen, nicht leben und die Mutter mit dem Heim winkt dann ist der Weg in die Klinik sicher der bessere. Der Fokus des Films könnte aber eben mehr auf dieser Schulung der Eltern liegen und weniger auf den sehr strengen Verhaltenstrainings der Kinder. Mein Eindruck ist man traut in dieserklinik den Eltern nicht zu etwas am Kind erfolgreich zu verändern. Sondern man bricht das Kind und stellt geschulte Eltern daneben. Ich frage mich wie lange das gut geht.

solskinn (Profil) schrieb am 08.07.2019 15:04

Ich stimme Tiana weitgehend zu, außer bei den letzten beiden Sätzen. Inwiefern werden die Kinder gebrochen? Wenn es um die vorher gelernten Verhaltensweisen geht, die die Familien in dieser verzweifelten Situationen gebracht haben, dann okay. Da werden die Kinder gebrochen. Aber sie werden ja nicht im luftleeren Raum gelassen, sie lernen eine Alternative, die darauf basiert, dass Grenzen aufgezeigt werden.

Der Fokus sollte tatsächlich mehr auf den Müttern liegen (denn Väter scheint es ja nicht zu geben oder sie spielen keine Rolle) und weniger auf der Darstellung der Kinder. Auch kennen wir als Zuschauer die konkreten Vorgeschichten nicht. Was treibt eine Mutter dazu zu sagen, das Kind komme ins Heim, wenn das so weitergeht, aus tiefster Überzeugung und mit all dieser Verzweiflung!? Was muss da schon alles aus den Fugen geraten sein!? Wie erschöpft muss diese Mutter sein, wie allein, wie hilflos.

Der Titel mag irreführend sein, die Schulung der Eltern steht nicht im Vordergrund der Doku. Das hätte ich mir durchaus gewünscht. Ich habe solche Mütter im Umfeld (zum Glück nicht viele), die völlig erschöpft und erschüttert sind durch ihre Selbstaufgabe für ihre Kinder, die alles gut und richtig machen wollen und dabei völlig aus den Augen verlieren, wie sie selbst und ihre Kinder leiden - wenn nicht heute, dann in Zukunft. Ich habe mit solchen Kindern in der Schule zu tun, bei denen sich die Mama um alles kümmert, die keinerlei Kritik annehmen können, bei denen die Mutter mir eine Mail schreibt mit der Bitte zu schauen, ob die Note nicht doch besser sein könnte, das Kind sei so niedergeschlagen, sei es doch die erste 4 in der Schullaufbahn (Klasse 10) und im übrigen wisse das Kind auch nicht, dass sie mir schreibe, oder der Siebtklässler, der vollends überfordert ist, der seit Jahren nur Vierer und Fünfer produziert, dessen Mutter ihm aber gymnasialtauglichkeit bescheinigt und wir uns mittlerweile sicher sind, dass er bewusst die Leistung verweigert, um endlich gehört zu werden, die Mutter uns aber stattdessen mit Klage droht und das Leid des Kindes immer weiter verlängert. Davon lässt sich für jede Klasse mindestens ein solcher Fall finden.

Die Mutter muss entspannt sein, damit das Kind entspannt sein kann. So wird es im Film gesagt. Finde ich die zentrale Botschaft. Und deshalb jetzt erstmal ein Kaffee.

Anonym schrieb am 08.07.2019 22:16

Hat die Mutter nicht sogar vorher erzählt, daß das Kind ein Geschwisterkind mit Absicht die Treppe runtergeschuppst hat? Wenn sowas öfter vorgekommen ist, kann ich den Wunsch der Mutter nachvollziehen, ihr anderes Kind zu schützen...

ChristineT (Profil) schrieb am 14.07.2019 16:55

Ich glaube, dass die Mütter, die Du beschreibst, solskinn, eine andere Art von Müttern sind als die im Film gezeigten. Aber bei Deiner Beschreibung kam mir ein Gedanke, der finde ich nicht unwesentlich ist: es gibt kaum eine Möglichkeit für Mütter/Eltern, es "richtig" zu machen. Immer gibt es -z.T. selbsternannte- Experten (Erzieher, Lehrer, Großeltern, andere Eltern..) die finden, man mache es falsch. Vielleicht geht darüber manchem die eigene Intuition verloren, was stimmig ist.
Versteh mich nicht falsch: es gibt diese Mütter, die ihren Kindern einen Bärendienst erweisen, indem sie versuchen, ihnen alles zu ersparen und häufig intervenieren. Es gibt aber auch nicht nur begnadete Pädagogen und manchmal ist ein Widerspruch durchaus angebracht. Oft geht es doch in Beiträgen hier um Ärger mit Lehrern oder Erzieherinnen, die sich "falsch" verhalten. Diese Personen sehen sich sicher im Recht und rollen die Augen über "diese Eltern" die sich ständig einmischen. Ich hatte sowohl mit Lehrern zu tun, mit denen man ein Gespräch auf Augenhöhe führen kann und die sich als Erziehungspartner der Eltern sehen als auch mit Lehrern, die einem schon so eine "diese-Eltern-Haltung" entgegenbringen, bevor man den Mund aufgemacht hat. Diese Pauschalisierung ist auf beiden Seiten schlecht. Weder gibt es "diese Lehrer" noch "diese Eltern".
So - was sagt einem jetzt, wann abwarten und wann intervenieren angebracht ist? Gibt es dazu eine objektive Meinung? Ich denke nicht. Die Ansichten dazu sind immer subjektiv.

Ich denke auch, dass die Eltern/Mütter in diesem Film wahnsinnig allein sind. Auch wenn man die Methoden zweifelhaft finden mag, ist es immer noch besser, als sie weiterhin alleine zu lassen.
Ob man daraus einen Film machen muss, der ja auch die Kinder ein Leben lang verfolgt, ist wieder eine andere Frage...

Henni (Profil) schrieb am 14.07.2019 22:21

Gestern kam der Film auf SWR, ich hab ihn zufällig gesehen. Und war total überrascht:
weil der in erster Linie einfach total schlecht gemacht ist, ganz unabhängig vom Inhalt.
Es war auch sehr deutlich zu sehen, dass die Klinik personell und räumlich sehr schlecht aufgestellt ist.

Ich konnte gar keinen roten Faden erkennen, mal ging es um Kinder, die nicht essen, dann um welche, die nicht schlafen, dann um welche, die generell nicht kooperativ sind oder alles zusammen, dann wurden ohne Erläuterungen Therapieausschnitte gezeigt, dann Vorträge vor den Eltern, Teamsitzungen, alles völlig ohne Aufbau und Zusammenhang.

Es gab auch keine Einblendungen, wer da vom Personal gerade spricht oder agiert: waren das Kinderkrankenschwestern, Therapeutinnen, Erzieherinnen, Ärztinnen?
Eine wirkte so, als hätte sie früher in einer Schulmensa das Essen auf die Teller gefüllt - hat ja auch mit Kindern und essen zu tun....
Eine Mitarbeiterin erschien völlig krank und heiser - offensichtlicher Präsentismus, weil das Filmteam da war - sie hielt krächzend ihren Vortrag und das wirkte extrem unprofessionell.

Die ganze Klinik wirkte generell sehr schlecht ausgestattet:
Teamsitzung an zwei parallel gestellten Tischen, so dasss sich die Teilnehmer teilweise den Rücken zukehren, wo gibt es denn sowas?
Eltern-Vorträge ohne sinnvollen Aufbau, in nicht gerader einfacher Sprache, in völlig unleserlicher Schrift an einer Tafel mit Kreide präsentiert???
Ein Kinderspielzimmer, in dem nur billiges Spielzeug liegt, mit dem man sinnlos rummanipulieren kann, nichts kreatives, sinnlich anregendes, Baumaterial, Rollenspielmaterial etc. zu sehen.
Der ganze Raum völlig ungestaltet, einziger Rückzugsort unterm Wascbecken...ich dachte die ganze Zeit, das Kind, das da drunter sitzt stößt sich gleich ganz schlimm den Kopf.

Zum Schlaftraining kamen die Kinder in die gleichen Räume, in denen tagsüber gegessen wurde. Häh? Auch zum Schlafen keinerlei passende Umgebung, nahtloser Übergang von Neonbeleuchtung zu zappenduster mit Tür zu. Die Betten standen teilweise mitten im Raum, nicht mal das Kopfende an der Wand - so kann doch keiner entspannt schlafen.

Gibt es Auszeichnungen für absolut missglückte Dokumentarfilme? So eine Art Windbeutel? Sowas wäre hier echt angebracht.

Wozu dienten die Aufnahmen in Zeitlupe?
Sollten die glückliche Kinder darstellen? Oder Mitleid erregen?

Sorry....lang geworden....zum eigentlichen Inhalt äußere ich mich gar nicht erst...

LG Henni