"Das schlechte Gefühl bei Montessori"

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Anonym schrieb am 10.06.2019 11:36

Das schlechte Gefühl bei Montessori

Guten Morgen ihr Lieben,

wir haben Glück. Unser Schulkind wurde in der Monte-Grundschule angenommen.

Juhu. Könnte man jetzt meinen.

Aber je länger ich mich damit beschäftige, desto schlechter gehts mir damit. Ich finde so viele gute Elemente, Dinge die mir zusagen, mich begeistern, mir richtig vorkommen. Wir versuchen vieles im Alltag umzusetzen.

Aber was mich irgendwie ständig begleitet ist das Gefühl zu versagen. Als Mutter.
Ich bin nicht gut genug. Mein Haus ist kein Montessori-Haus, wir versuchen es so einzurichten, dass das Kind sich entfalten kann, frei werden kann, selbstständig sein kann...aber wirklich GUT ist es eben nicht. Ich habe ständig das Gefühl, ich bekomme es nicht gebacken. Müsste mehr Beobachten, auf Kinds Interessen eingehen, Materialen basteln, kaufen, Blogs lesen, mich fortbilden. Irgendwie reicht da meine Kraft nicht. Oder ich bin zu doof...manchmal möchte ich gern in Ruhe SELBER ALLEINE putzen, ohne Kinderbeteiligung. Und dann sagt die Stimme im Kopf:"Dass ist aber nicht richtig!"
Das Gefühl hat mich schon im Kindergarten begleitet. Kinderhaus. Auch hier: man bekommt als Eltern immer das Gefühl es nicht gebacken zu bekommen. Man müsste abends Material basteln, vorbereiten, aufräumen, Lernpläne erstellen....und ich will einfach nur fernsehen.

Bin ich nicht richtig für die Schule? Hat es dann überhaupt Sinn? Wäre vielleicht staatlich doch besser? Kind ist das alles völlig egal. Findet die Monte-Schule gut, normale Schule gut, alles gut, Hauptsache Schulkind.

Kennt ihr so etwas? So ein Gefühl?

Liebe Grüße


Antworten

Anonym schrieb am 10.06.2019 14:26

liebe ano,
ja,
das kenne ich gut. sehr gut.

aktuell ist es das gefühl, keine gute mutter für meine jugendlichen zwillingsbuben zu sein, weil mir das doof-getue einfach nur auf die nerven geht.

was mich in solchen momenten tröstet, ist der gedanke, dass die kinder sich auch uns als eltern 'ausgesucht' haben. sie hätten wunderbar zu anderen menschen gehen können. sie wollten zu uns. nun müssen sie mit uns klar kommen. wie wir mit ihnen ;) ...

unsere kinder haben meist anthro-einrichtungen besucht, auch dort begegnet einem dieses gefühl des nicht-genügens.
aber auch grösstes verständnis im guten fall.

ich denke, dass die einrichtung manches (nicht alles!) kompensiert, was daheim nicht gelingt, und umgekehrt. zusammen sind wir alle auf dem weg. im prozess. das leben ist ja nicht zustand, sondern beständiges werden.

vielleicht sprichst du das mit den verantwortlichen in der schule einmal an? dass du gerne diesen weg gehen möchtest, aber schlicht grenzen spürst?
kommt dir verständnis entgegen, könnt ihr euch als dreieck kind-eltern-schule auf den weg machen.
blicken die lehrerInnen merkwürdig drein, würde mich das aufhorchen lassen. und, ja, vielleicht ist dann eine andere schule besser, auch eine, bei der die erwartungen nicht so hoch hängen, wie oft bei den freien einrichtungen?

einen freien, weiten blick und eine gute portion gelassenheit, das wünsche ich -
uns allen!

alles liebe,
sünneli


...die durch die heileurythmistin ein schönes lob bekommen hat. im gespräch mit ihr sagte der im moment am meisten doof tuende bub über die art, wie ich als mutter agiere: doch, ich finde, sie macht das ganz gut. ich war nicht dabei. sie erzählte es mir später.

ganz ehrlich? ich hätte gedacht, seine einschätzung fällt anders aus. sehr anders. und er ist ein ehrlicher mensch, nimmt kein blatt vor den mund und manch unbill dafür in kauf.

so passen wir vielleicht doch zusammen, eltern und kinder?

Anonym schrieb am 10.06.2019 14:56

"mein haus ist kein montessori-haus"...

liebe ano,
vielleicht noch ein beispiel:

über die längste zeit bin ich, ganz waldorfbrav, einen eher strickten weg mit den kindern und mir selbst gegangen, was die smartphone-nutzung anbelangt. 16 war das älteste kind, als es die erlaubnis für ein eigenes gerät bekam, ich selbst hatte keines.

...bis das jüngste kind diabetes typ 1 bekam, neunjährig. nun hat es einen sensor (kontinuierliche glukoseüberwachung), der mit smartphones kommunizieren kann. dem kind und uns schenkt das freiheiten, die wir wegen es diabetes nicht mehr hätten, zumindest, so lange das kind noch so jung ist. und so lehrt mich das leben, einen neuen umgang mit der technik zu suchen, und: erstaunt stelle ich fest, dass selbst anthrohardliner in diesem fall interesse und verständnis zeigen.

was ich sagen möchte: es gibt viel mehr grautöne, nicht nur schwarz und weiss.

wenn euer haus hier und da spuren von montessori trägt und ihr euch damit wohl fühlt, ist es doch gut. gut genug.
stimmig muss es sein, für euch.
wer dürfte das recht haben, zu bewerten?

einem kind darf man auch sagen: heute möchte ich allein putzen. punkt. da lernt es: auch die anderen menschen haben bedürfnisse, die beachtet sein wollen. meine freiheit endet dort, wo die des anderen beginnt.

...vielleicht so?

Anonym schrieb am 10.06.2019 15:10

Kann es sein, dass du das Gefühl Erwartungen anderer zu enttäuschen öfters hast?
Meiner Meinung nach ist es bezüglich diesem Thema völlig egal in welche Schule dein Kind geht. Auch in einer staatlichen Schule wird die Lehrkraft evtl. Dinge erwarten, die du nicht (in deinem möglicherweise zu strikten Maßstab) erfüllst. So what? Dann hat das Kind in der Monte immer noch in seinem Tempo die Schulthemen bearbeitet und Freiarbeit, kosmische Erziehung usw. erlebt oder ist mit den Kindern der Nachbarschaft in die nahegelegene Grundschule gegangen.
Nach 8 Jahren Montessori (KiGa und Schule mehrerer Kinder) kenne ich keine einzige dogmatische Montessori-Familie. Nicht eine! Und in den Jahren haben wir sehr viele kennengelernt. Es waren Kinder dabei, die zuhause ausschließlich mit Dudelkram-Spielzeug spielen, keine Bücher gelesen bekommen und ständig fernsehen. Und es waren welche, die mit Holzspielsachen, Steinen und Stöcken spielen. Am allermeisten waren es einfach Akademikereltern, die grundsätzlich meinen, dass ihre Kinder in einer privaten Einrichtung noch mehr Förderung bekommen. In der Einrichtung, nicht zuhause, wohlgemerkt.

natascha (Profil) schrieb am 10.06.2019 15:11

Hi,

Ich glaube, du bist in dir selbst gefangen und hast.den Blick für den Sinn .
verloren..


Dreikurs sagt, erziehe das, was du ausstrahlst


Du musst nicht deine Wohnung umräumen, damit dein Kind sich entfalten kann, es kann sich überall entfalten, und zwar dort wo du aufhörst damit beschäftigt zu sein, den Lebensraum nach strategien aufzubauen.

Walddorf
Monesorie ist toll, sich wahr nehmen und das auszudrücken, ist am tollsten.
Dein Kind spührt ganz genau, wenn du es nur in deiner nähe lässt weil # man # es so tut.
Recht aufs neinsagen hast du auch
Und ich sehe es als lernprozess, das ein Kind auch mal etwas, was es möchte nicht tun kann.
Wie eben Putzen.

Lebe doch wonach dir der Sinn steht u d das dann frei, wie ständig mit schlechtem Gewissen rumzulaufen, das merkt dein Kind auch.


Was braucht dein Kind
Eine Mum, das es liebt,
Eine Mum, die sich sicher fühlt,
Eine Mum , die glücklich ist.
Und raum, sichbzu langweilen.

Lass das lesen, dein Herz weis was es tut.


Lg Natascha

Anonym schrieb am 10.06.2019 18:08

nie ist zu wenig was genügt

Erika (Profil) schrieb am 10.06.2019 21:08

Ich hab jetzt die anderen Kommentare nicht gelesen. Nur kurz:

Wenn Dein Kind in eine Montessorischule geht: herzlichen Glückwunsch! Finde, das ist eines der besten Konzepte, wo Kinder Kinder sein dürfen und sich frei entfalten können.

Warum Du Dir wegen Eures Zuhauses schlechte Gedanken machst, verstehe ich nicht. Du bist keine professionelle Bildungseinrichtung, sondern Ihr seid eine Familie. Du musst Deinem Kind nichts "bieten" außer Liebe, Zuwendung, Zeit und Ernährung. Lasst Eure Kinder kennenlernen, was für Typen ihr seid. Diskutiert mit ihnen und erklärt Ihnen Eure Weltsicht. Und seid gespannt auf ihre Fragen und eigenen Weltsichten. Mehr braucht ein familiäres Zuhause nicht.

Und falls Du Dir jetzt immer noch Gedanken wegen Eures (unzulänglichen) Zuhauses macht: so viel wie möglich ab nach draußen. Die Natur ist immer die beste Erzieherin.

Anonym schrieb am 10.06.2019 23:17

Der Kindergarten ist bei uns Waldorf, die Grundschule Monte, das Gymi normal und wir sind wir!
Mal Lagerfeuer, mal Filmeabend, mal Socken stricken, mal im Internet shoppen. Das sind authentisch wir.
Mit den Kindern backen - ist das Waldorf wegen der Regelmäßigkeit oder Monte, weil die Kinder abwiegen - oder einfach fun?

Nachdem ich bei ein paar Waldörflerm zuhause war, war ich erstaunt und fast enttäuscht! Sie kochen auch nur mit Wasser!

Alles ist prima bei dir. Was wir wirklich brauchen, haben wir schon! So wohl Besitz, als sich in uns!

Anonym schrieb am 11.06.2019 09:48

Ich finde auch : einfach hübsch authentisch sein - das is das wichtigste.
Eine Bekannte von mir hat das in ihrem "Wahn" alles besonders toll zu machen nämlich leider so gar nicht drauf - in "disziplinierten Phasen" wird fein bio - vegan gekocht und propagiert, dass das das einzig richtige is!!!, ne Woche später geht es dann wieder zu MacDoof (völlig unzufrieden)...
Sei nicht so streng mit Dir!! Mach wie es sich richtig und gut anfühlt und alles is gut!