"Umzug? Plötzlicher Tod des Vaters und dazugehörende Probleme"

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Anonym schrieb am 05.02.2019 09:36

Umzug? Plötzlicher Tod des Vaters und dazugehörende Probleme

Hallo Ihr Lieben,

seit mein Vater vor drei Wochen völlig überraschend verstorben ist, herrscht bei uns hier ein völliges emotionales Durcheinander und eine Kraknheitswelle nach der anderen wirft uns um.
Irgendwie gibt es zu viele Baustellen und ich weiß im Moment gar nicht, wie ich das Leben wieder halbwegs in der Griff kriegen soll.
Angefangen hat es damit, dass mein Vater morgens mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus kam, etwas geschwächt von einem Magen-Darm-Infekt die Woche davor. Er ist in der der Nacht darauf dann an Herzversagen gestorben, meine Mutter hat in der Nacht gleich bei uns angerufen, worauf natürlich keiner mehr schlafen konnte... Wir sind dann alle am nächsten Nachmittag zu meiner Mutter gefahren, sie wohnt etwa 100km von uns entfernt und ich bin 2 Tage dort geblieben, um mich ein bisschen zu kümmern (Schwarze Klamotten kaufen, Entscheidungen zur Beerdigung usw. treffen).

Seitdem sind wir alle völlig durch den Wind, wenn das Telefon am späteren Abend klingelt, kriege ich Herzrasen. Mein mittlerer Sohn (12) will nicht mehr gerne allein in einem anderem Stockwerk sein als der Rest, meine Tochter (9) schläft schlecht ein und fast jede Nacht bei uns im Bett, mein Großer (14) fühlt sich noch schneller angegriffen als sonst und meine Geduld ist bei der geringsten Anstrengung erschöpft.

Wahrscheinlich ist das nach einem solch überraschenden Verlust auch normal und alles wird mit der Zeit wieder besser?

Aber bei uns kommt noch dazu, dass meine Mutter nicht allein in ihrem Haus wohnen bleiben möchte, sie möchte zu uns ziehen... Bei uns im Haus ist aber nicht wirklich Platz, wir haben zwar ein Gästezimmer aber nur, weil im Moment die Jungs zusammen ein Zimmer bewohnen. Außerdem möchte meine Mutter auch eine eigene Küche und eigene Räume haben... Nun haben wir nicht wirklich gute Ideen, wie das umzusetzen ist:
Meiner Mutter eine Mietwohnung in unserer Nähe suchen?
Schwierig, weil wir in einem kleineren Dorf wohnen, wo es vor allem Einfamilien-Häuser gibt.
Alle zusammen in ein größeres Haus irgendwo in der Nähe ziehen? Schwierig, weil doppelter Umzug und die Kinder wollen aus unserem Haus nicht wirklich weg...
Ansonsten ist meine Mutter wirklich gut eingebunden in der Nachbarschaft in der Stadt, in der sie jetzt wohnt, viele Verwandte und auch ihr Bruder und ihre Schwägerin wohnen dort. Aber sie sagt, sie will auf keinen Fall wohnen bleiben, weil sie abends und nachts so alleine ist.
Wir sind hier nicht eingebunden, kennen ein paar Leute, haben aber keine wirklichen Kontakte...
Der Umzug zu meiner Mutter ist aber auch schwierig, da mein Mann dort keinen Job finden würde und unser Großer eigentlich nicht gerne 2 Jahre vor dem Abi die Schule wechseln möchte ...
Irgendwie drehen sich meine Gedanken jetzt seit Wochen nur im Kreis und ich habe keine Ahnung wie wir weitermachen sollen und irgendwie bleibt das Trauern dabei auch auf der Strecke...

Vielleicht habt ihr ja Ideen für mich, liebe Grüße,

M.

Antworten

Inge (Profil) schrieb am 05.02.2019 10:07

Ich würde mich in alle Richtungen etwas erkundigen. Aber v. a. solltet ihr euch und auch deiner Mutter Zeit geben. Trauerbewältigung dauert länger als nur 3 Wochen und euer Ausnahmezustand ist absolut normal.

Vielleicht kann deine Mutter ja auch einfach erst mal übergangsweise zu euch ins Gästezimmer ziehen um in dieser schweren Zeit mehr Halt zu haben. Es kann gut sein, dass sie das Umfeld ihrer Freunde und Nachbarschaft dann ohnehin vermisst. Wenn nicht, würde ich wirklich am ehesten eine Wohnung in der Nähe suchen.

LG Inge

munkes (Profil) schrieb am 05.02.2019 10:09

Vielleicht könnte deine Mutter sich erstmal externe Hilfe suchen oder gar stationär gehen? Ich finde schon, dass das ganz schön viel erwartet ist von euch als Familie. Auch du klingst so, als wäre die Inanspruchnahme von Beratung nicht verkehrt. Ich denke übers Knie brechen ist jetzt erstmal gar nicht drin. Ihr müsst alle zur Ruhe kommen und erstmal trauern. Jetzt wo bei euch alles gut ist über einen Umzug Nachdenken etc ist doch viel zu viel.
ICH würde meiner Mutter anbieten, dass sie erstmal zu Besuch kommen kann, Gästezimmer ist ja vorhanden. Und dann überlegen, aber ganz wichtig in erster Linie du mit deinem Mann.
Lasst euch Zeit, Ruhe einkehren und große Entscheidungen verschieben.
Mein herzliches Beileid und alles Gute

Anonym schrieb am 05.02.2019 11:39

Du Liebe!
Erst einmal möchte ich dir sagen, wie leid mir euer Verlust tut. Was für ein Schmerz, so plötzlich den Vater zu verlieren.

Ich denke, dass man in akuter Trauer keine wirklich guten Entscheidungen treffen kann. Mit großen Veränderungen würde -ich- deshalb unbedingt einige Monate zuwarten.
Vielleicht könnt ihr der Mama anbieten, dass sie jede Woche für 2 Nächte zu euch kommt. Dann hat sie ein Ziel, worauf sie sich freuen kann (auch Zeit mit den Enkeln).
Oder abwechselnd eine Woche kommt sie 2 Tage, eine Woche besuchst du sie.
Wäre das eventuell ein Denkansatz?

Zu der Unruhe möchte ich sagen: das geht vorbei. Lass dir Zeit. Der Schock sitzt tief, aber mit der Zeit werdet ihr wieder Vertrauen ins Leben fassen.
Ich kenne es ganz ähnlich: in der erweiterten Familie gab es in den letzten eineinhalb Jahren viele Krisen, mit Polizei und Psychiatrie... Ich wurde oft gebraucht als “Seelenstütze“. Dazu zwei Todesfälle (wieder Telefonklingeln) Wie dir wurde mir schon beim Telefonläuten oder dran denken schlecht...
Aber wenn es länger ruhig ist, lässt diese Spannung nach, die ständige Sorge faltet sich wieder ganz klein zusammen, der Blick geht mehr nach vorn, das Alltägliche gewinnt wieder an Bedeutung.
Lass euch Zeit. Es wird besser.

Vielleicht hilft es dir, wenn du jeden Tag kurz mit deiner Mama telefonierst, schreibst? Du weißt dann, wie es ihr geht. Dein Kopf weiß, es ist alles in Ordnung. Keine Angst nötig.
Nur ein Denkansatz.

Alles Liebe für eure Familie *drück*

Heute lieber Ano-M.

Anonym schrieb am 05.02.2019 12:30

Danke für eure Antworten.
Es hilft mir schon zu hören, dass ich mir ruhig Zeit lassen darf und wir mit irgendwelchen Entscheidungen nichts überstürzen sollen.
Ich habe meiner Mutter schon angeboten, uns mal für eine Woche zu besuchen und wir wollten auch schon öfter am Wochenende hinfahren, was wegen Magen-Darm-Infekten der Kinder bisher nicht geklappt hat. Wir waren dann nur zur Beerdigung nochmal dort.
Meine Mutter wollte erstmal für sich zurecht kommen und ich habe den Eindruck, dass sie das generell auch schafft, ihr Bruder steht ihr viel zur Seite und macht Behördengänge mit ihr und lädt sie sonntags zu sich zum Essen ein.
Und ich telefoniere auch fast jeden Tag mit ihr, da sagt sie aber jedesmal, dass sie nicht dort wohnen bleiben will...
Ich fände es auch gut, wenn sie öfter zu Besuch käme, aber sie traut sich nicht im Winter Autobahn zu fahren und Zug fahren traut sie sich auch nicht und das Haus will sie auch nicht so lange alleine lassen :-(


Irgendwie ist es schon schwierig, alles ist so umständlich, vielleicht wird es ja mit dem Frühling besser,

M.

Anonym schrieb am 05.02.2019 13:23

Liebe M., von mir auch erst einmal mein herzliches Beileid. Du wirkst im letzten Beitrag schon etwas sortierter. Ich schließe mich Munkes an. Und denke, dass deine Mutter zu viel von dir und deiner Familie erwartet. Das mag ihrer Trauer und Verzweiflung geschuldet sein, vielleicht war sie auch im Alltag sehr von deinem Vater abhängig und/oder hatten sie keinen großen Freundeskreis, waren sich selbst genug?
Ansonsten: die Zeit mindert viele Wunden. Nicht alles, aber es wird besser.
Ich bin in Sachen Telefon auch traumatisiert.. Vor vielen Jahren rief mich nachts die Polizei an, weil meine Schwester einen schlimmen Unfall hatte. Das hat etliche Jahre gedauert, bis ich nicht immer einen Riesen Schreck bekam, wenn spät/nachts das Telefon klingelt. Gegenspruch "es kann immer was passieren, auch Tags. Aber meistens geht alles gut!".
Oder als ich meinen Ex-Freund telefonisch nicht erreichte und gleich wusste, er ist tot, bekam ich Herzattacken, wenn ich mal jemanden ein paar Tage lang nicht erreichte.
Irgendwann sagte ich mir immer so Sachen wie: "Nicht jeder, der nicht erreichbar ist, ist tot! Die allermeisten sind putzmunter!". Und so langsam wird es besser.
Halb-ano
Bettina

munkes (Profil) schrieb am 05.02.2019 19:14

Also nicht Bahn fahren, nicht Auto fahren und Angst ums Haus haben klingt schon übersteigert und nach einer kleinen Angststörung? Vielleicht? Da verlässt man sich gern auf andere und macht es damit leider immer schlechter. Ich bin kein Psychiater und kein Therapeut, aber kenne mich in Sachen Angst und Depression beruflich und leider persönlich recht gut aus. Von daher dringend Hausarzt, Psychiater und oder Beratung mit ins Boot. Wenn sie nicht will ist's schwierig aber dann liegt die Verantwortung auch bei ihr.

Lola (Profil) schrieb am 05.02.2019 21:27

Liebe M. ich wünsche Dir mein Beileid, viel Kraft für die kommende Zeit und vor allem Gute Besserung!

Ich bin auch für warten.

Wie geht es Deinem Großen jetzt? Ist es eine Möglichkeit, übergangsweise alle in einem Zimmer schlafen zu lassen? Meine würden in so einer Situation alle in mein Bett kriechen. Daß er nicht allein sein mag, kann ich gut verstehen.

ChristineT (Profil) schrieb am 05.02.2019 23:04

Möchte Dir auch mein Mitgefühl aussprechen. Kein Wunder, dass Ihr alle durch den Wind seid. Ich würde jetzt auch keine Entscheidungen treffen, sondern erstmal trauern.
Bezüglich Deiner Mutter fiel mir folgendes ein: habt Ihr einen großen Garten? Gibt ja tolle Wohncontainer mit ca. 50qm, dann wäre sie nahe bei Euch und doch für sich.
Aber auch da würde ich erstmal abwarten, bevor sie Hals über Kopf ihr Haus verkauft.
Alles Gute Euch!

Anonym schrieb am 06.02.2019 09:48

Danke für euer Mitgefühl, es hat mir mir wirklich sehr geholfen, die Probleme mal aufzuschreiben und auch zu hören, dass meine Mutter vielleicht etwas zu viel von uns erwartet und wir einfach mal abwarten können, wie es sich entwickelt. Das Gedankenkarussel in meinem Kopf ist wesentlich langsamer geworden und ich fühle mich nicht mehr so im Zugzwang.

@munkes: Meine Mutter hat auch mEn höchstwahrscheinlich eine Angststörung und eventuell auch eine Zwangsstörung, ich hatte ihr vor Weihnachten schon mal geraten sich einen Therapeuten zu suchen. Ich finde aber, dass sie erstaunlicherweise im Moment damit besser zurecht kommt, als vor dem Tod meines Vaters. Sie ist immerhin bei Schnee in der Stadt Auto gefahren und schafft es sich bei aufsteigender Panik mittlerweile selbst zu beruhigen und lässt auch mal fünfe gerade sein...

@Lola: Mein Großer ist schon im November zurück zu seinem Bruder ins frühere gemeinsame Zimmer gezogen und das tut den beiden jetzt richtig gut. Wir haben auch alle Schlafzimmer am gleichen kleinen Flur und sämtliche Türen nachts offen, da kommt man sich sowieso vor als ob man im gleichen Zimmer schläft :-) Und mein Mittlerer ist anscheinend nur beim Umziehen und Zähne putzen abends nicht gerne alleine, nachher liegt er auch im Bett liest und vorher spielt er auch alleine dort, aber das gibt sich sicher auch wieder. Immerhin schläft meine Tochter seit vorgestern auch wieder alleine im Bett ein, zwar mit Hörbuch, und sie schläft auch wieder durch, da bin ich dann auch ausgeruhter und weniger angespannt.

@ChristineT: An so einen Wohncontainer hatten wir sogar auch schon gedacht, aber wenn wir den in den Garten stellen, ist er voll. Die Kinder haben schon einen Wohnwagen im Hof vorgeschlagen, aber das wäre wahrscheinlich DER Alptraum für meine Mutter ;-)

Liebe Grüße,
M.