"Missbrauch in meinem Heimatort..."

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Anonym schrieb am 12.07.2018 11:26

Missbrauch in meinem Heimatort...

Es ist so schrecklich, ich werde damit gar nicht fertig.

Der Missbrauchsfall -- einer der schrecklichsten überhaupt; und dann noch in meinem Heimatort Staufen, ein Bilderbuchstädtchen. Auf dem See, in dem man die Festplatte gefunden hat, bin ich als Kind Schlittschuh gelaufen, habe Boote schwimmen lassen.

Mir tut der Junge, kaum älter als mein Großer, so schrecklich leid, ich könnte nur heulen. Immer noch, obwohl es jetzt schon so lange bekannt ist. Fühle mich ganz schlecht, wenn ich dort bin.

Weiß gar nicht, was ich von euch hören möchte. Bin schon wieder am Heulen und muss es irgendwie mal loswerden.

bkoe

Antworten

purzelmurzel (Profil) schrieb am 12.07.2018 14:38

Wow. Das ist unglaublich!
Das tut mir auch wirklich leid. Es ist immer so, sobald wir einen näheren Bezug haben, trifft es uns ganz anders. Und das ist auch gut so, sonst wären wir entweder abgehärtet oder nur noch am Weinen.
Aber es zeigt uns, dass es nie die "Heile Welt" gibt, wir achtsam durch die Welt gehen müssen und gleichzeitig im Vertrauen bleiben, weil sonst viele schöne Momente verpasst werden.
Und ich glaube, wir haben auch Zeiten in unserem Leben, da müssen wir einfach weinen, in uns kehren und den leisen stillen Gedanken nachgehen.
Gut, dass du nicht vorhattest mit deinen Kindern in die Heimat zurück zu kehren!

ALLES LIEBE und bis bald

bkoe0067 (Profil) schrieb am 12.07.2018 15:04

Liebe Purzel,

danke, ja, das ist wohl wahr. Da vermischt sich die eigene Kindheit mit der der eigenen Kinder und des unglücklichen Jungen.

Viel schrecklicher geht es wohl wirklich kaum.

bkoe

Kleeblatt29 (Profil) schrieb am 12.07.2018 22:08

Es gibt so unfassbar schreckliche Dinge und so kranke abartige Menschen dass ich mich oft frage ob es klug war/ist Kinder in diese Welt zusetzen...

Aber ja denn es muss gute, vertrauensvolle, verantwortungsvolle und vorallem hoffnungsvolle neue kleine Menschen geben. Ich hoffe und wünsche mir für uns alle das diese Welt besser wird.

Dich, liebe bkoe drücke ich aus der Ferne ganz fest und wünsche dem kleinen Jungen das er ein Leben führen kann das nicht von diesem schlimmen Abschnitt seines jungen Lebens geprägt wird. Es ist so schlimm...

dorle (Profil) schrieb am 13.07.2018 13:09

so ähnlich ging es mir als bekannt wurde das in meinem Heimatort jemand ein Flüchtlingsheim nachts angezündet hatte, mit Frauen, Kindern, Männern drin - ich glaube es kam sogar zu Toten.
Geschockt hatte mich auch, als eine Nachbarin sagte sie wüßte wer das war aber man erzählt das eben nicht der Polizei um demjenigen nicht das Leben zu verderben.
Da habe ich mich sooo geschämt.
Menschen sind eben überall gleich - gleich doof, gleich grausam, gleich nett, gleich lieb...

Kurt Tucholsky hat mal etwas sehr schönes über "Heimat" geschrieben.

Für dich, zum Trost !

Lass dir nicht die Heimat rauben von diesem Gefühl.

https://www.textlog.de/tucholsky-heimat.html

bkoe0067 (Profil) schrieb am 14.07.2018 17:37

Danke, Ihr Lieben.

ich krieg das immer noch nicht aus dem Kopf, es kreist und kreist den ganzen Tag, und mir dreht sich der Magen um.
Aber das ist und war schon immer ein Problem von mir, die fehlende Distanz zu Leid und schlimmen Dingen. Hab schon als Teenie drei Tage durchgeheult, wenn mal wieder ein Wal getötet wurde.

Muss mir mal Gedanken machen, wie ich auf meine alten Tage lerne, mit sowas umzugehen. Grad hab ich keine Ahnung.

bkoe

Anonym schrieb am 14.07.2018 18:07

hallo,

ich kann es gut nachvollziehen, wie es dir geht ; ich habe auch nen neunjährigen sohn und wir wohnen in einer "gut-bürgerliche" kleinstadt.........

kathrin

Anonym schrieb am 18.07.2018 20:29

Das Schlimme daran ist, dass ähnliche Dinge fortlaufend irgendwo passieren (können). Wenn es irgendwo in der Nähe oder im Umfeld passiert, berührt einen das natürlich um so mehr, nicht nur weil die Illusion, dass alles ja weit weg ist, erst einmal zerstört ist.

Seitdem ich selber Mutter bin, berührt mich alles, was Kinder betrifft, auch noch viel mehr.
Man sieht, wie unschuldig Kinder sind, und kann es nicht begreifen, wie jemand einem Kind etwas antun kann.

Ich finde, ist der schönen Heimat ist es ähnlich. Sie ist doch so schön, wie kann etwas so Häßliches dort passieren?

bkoe, ich hoffe, du kannst mit deinen Gedanken zur Ruhe kommen.

B.

bkoe0067 (Profil) schrieb am 19.07.2018 15:48

Ihr Lieben,

ganz langsam geht es mir ganz bisschen besser.

Ich finde es immer noch wahnsinnig schwer, das von mir wegzuschieben. Ist halt auch ein extremer Fall, viel Schlimmeres kann man einem Kind echt nicht mehr antun, und ich frage mich, wie man nach so einer Erfahrung überhaupt noch weiterleben kann und ob man das will.

Da krieg ich eine solche Wut auf unser Land und die Heiligkeit des Privatlebens, auch wenn das ja bestimmte Gründe hat, die auch berechtigt sind. Und auf die dämliche Richterin. Und aufs Jugendamt. Sie hatten den Jungen doch schon draußen, man hätte ihm so viel ersparen können.

bkoe

bkoe0067 (Profil) schrieb am 08.08.2018 23:21

Wahnsinn. Ganze 12 Jahre haben sie gekriegt. Der Junge hat lebenslang was davon.