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"Leitfaden durchs Leben"

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Anonym schrieb am 09.10.2017 01:39

Leitfaden durchs Leben

Habe mal für mein Kind (und mich :) ein paar Sachen zusammengetragen, teilweise auch aus diesem Forum :) Gerne ergänzen..würde mich freuen!

Für .. (und für mich), wir haben das Jahr 2017
0. Eigentlich brauchst du keine Ratschläge. Du weißt selbst oder wirst es erfahren, was gut für dich ist. Nimm dir das raus, was du brauchst.
1. Wenn du unglücklich in einer Beziehung bist und alles versucht hast: beende sie. Ich habe damals gar nicht gewusst, wie glücklich ich sein kann. Richtig unglücklich war ich nicht. Aber so wie jetzt ging es mir vorher nicht. Ich bin auch jetzt nicht immer glücklich, aber so viel intensiver ist das Leben. Es wird richtig gelebt! Das habe ich damals nicht mehr. Es ist und war die richtige Entscheidung. Ich bin um nichts traurig was ich verloren habe. Ich habe nur gewonnen. Ich weiß so viel mehr über mich, über das was ich will und wert bin.
2. Oft ist es wichtiger, authentisch und man-selbst-zu-sein, als politisch/pädagogisch korrekt, aber unecht, aufgesetzt oder künstlich zu reagieren. Sei so wie du bist und dich wohlfühlst. Wenn es irgendwo heißt, ich soll die Art wie ich spreche, verändern, dann weiß ich ja bald gar nicht mehr wer ich bin. Das bin doch nicht ICH.
3. Das richtige Essen und Trinken ist unser Treibstoff. Niemand würde sein Auto mit dem falschen Treibstoff tanken. Warum sind manche beim eigenen Körper weniger wählerisch?
4. Gib dein Geld für Reisen aus. Wir sind nur einmal auf dieser Welt. Sollten wir dann nicht alles davon gesehen haben, was wir sehen möchten?
5. Klamotten, Spielzeug für deine Kinder gibt es 2hand viel günstiger. Noch dazu ist es für die Umwelt besser und man unterstützt nicht unsere Konsumgesellschaft. Wenn du mehr darüber erfährst, woher deine Produkte kommen und welchen Schaden sie verursachen – in Bezug auf andere Wesen, den Planeten, deinen Körper – dann trägst du mit jeder Entscheidung Verantwortung.
6. Lass dir von niemandem etwas einreden und lass die Menschen los, die dir nicht gut tun.
7. Wenn du dir über etwas Gedanken machst und das will nicht aufhören: Denk daran, dass das Leben so kurz ist und ob es sich wirklich lohnt, sich jetzt darüber den Kopf zu zerbrechen.
8. Die Menschen schauen gar nicht so sehr auf dich und deine „Fehler“. Sie sind oftmals viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, haben wichtigeres zu tun und ihre eigenen Gedanken, die ganz und gar nicht so sind wie deine eigenen.
9. Friß nichts in dich hinein, rede mit Menschen (oder Tieren) – außer du bist dir sicher, selber damit klarzukommen.
?

Antworten

Lola (Profil) schrieb am 09.10.2017 07:49

Zu 2 fällt mir noch ein, mich nach Prüfung meiner Einstellung abzugrenzen von dem, was andere für richtig halten, was andere über mich denken könnten. Das ist ihr Problem, nicht meines.

Und die Punkte Geld für Reisen auszugehen, Konsumverzicht und Umweltgedanken könnten sich unter Umständen widersprechen.

Vielleicht noch ein Punkt, der sich mit Nächstenliebe (Hilfe, Rücksicht...) beschäftigt?

Henni (Profil) schrieb am 09.10.2017 21:31

Wie kommst Du dnn darauf, das so aufzuschreiben?
Ich glaube, vorleben und viel erzählen/sprechen trifft es letztlich besser und ist überzeugender, oder?
Aber vielleicht lebst Du mit deinem Kind nicht/oder nicht immer zusammen?

Mir fehlt der Aspekt Freundschaften.
Da finde ich wichtig: Freundschaften pflegen, auch nach langer Zeit und eventuell wenig Kontakt sind alte Freunde wichtig und erstaunlich vertraut.

In Dänemark ist es ja üblich, sich nach einer Einladung/einem Besuch bei der nächsten Begegnung für das letzte Treffen (den schönen Abend oder was auch immer) zu bedanken.
Sich viel bei anderen bedanken, sagen, wenn man etwas schön fand, finde ich auch wichtig (natürlich nur, wenn es von Herzen kommt)!
Und vor allem, wenn es mal Probleme gab: nicht nachtragend sein.

LG Henni

Henni (Profil) schrieb am 09.10.2017 21:38

Insgesamt finde ich so etwas schöner, wenn die Dinge positiv formuliert sind. Du hast viele negative Aspekte: sich trennen von Menschen, die nicht gut tun, falscher Treibstoff, die eigenen Fehler etc.

Als Beispiel: "Umgib dich mit Menschen, die dir gut tun!"
oder: "Ernähre dich so, dass es dir gut tut"
Das hört sich für mich viel besser an.

purzelmurzel (Profil) schrieb am 09.10.2017 21:53

Ich würde da auch nicht so zustimmen. Auch bei Punkt sieben. Ich bin der Meinung, e lohnt sich über vieles sehr sehr viel nachzudenken und das auch unvollständig an eine weitere Generation weiter zu geben.
Auch bei Menschen. Es hat auch Gründe b warum wir bestimmte Gedanken und auch Menschen nicht loslassen können. Sie sind dann noch wichtig!
Wenn ich mir das vorstelle. Meine Gedanken vor fünf Jahren sind auch nicht die gleichen wie heute. Da rümpel ich lieber den Kleiderschrank aus. So radikal möchte ich nicht mit Menschen umgehen. Mit Gedanken auch nicht. Da wären auch viele Erfindungen nie zum Ende gekommen.
Für mich ist auch Gott wichtig - bei anderen Spiritualität - es gibt höheres als uns - Ehrfurcht!
Ich kann mir auch gut vorstellen, dass du das für dich nochmal positiv umformulierst. Dann kommt es eher so den Achtsamkeitsgedanken nahe denke ich.
Gehe bewusst mit der Umwelt um, achte Tiere, iss mit Genuss, höre in dich und eifere nach dem, was dir wirklich gut tut...

Aber danke für deine Gedanken.

Anonym schrieb am 09.10.2017 22:47

Das stammt ja auch nicht alles von mir, wie gesagt. Aber krass, dass ihr euch an manchem so stoßt, so wie ich jetzt mit euren Gedanken :). Jeder sieht die Welt halt anders.

Die Hälfte der Zeit lebt mein Kind beim Vater. Es sollte einfach mal so ein Potpourri sein. Ich schreibe gerne Sprüche und sowas auf.

solskinn (Profil) schrieb am 10.10.2017 07:47

„Leitfaden“ klingt für mich wertend. Einen Leitfaden durchs Leben, den meine Mutter mir gegeben hätte, hätte ich zerrissen und entsorgt oder mich herzlich darüber kaputt gelacht. Bis heute haben wir in vielerlei Hinsicht unterschiedliche Ansichten und dennoch können wir uns respektieren und verstehen uns gut.
„Leitfaden“ ist übergriffig und impliziert, dass alles andere falsch oder unsinnig ist.
In einem erfolgreichen Buch zum Thema Leben heißt es stets „Glaubenssätze“. Man spricht also über die eigenen Glaubenssätze zum Leben. Nicht mehr und nicht weniger.
Auch inhaltlich empfinde ich bei deiner Aufzählung eine Abwertung anderer Vorstellungen.
Wer sagt denn, dass dein Kind nicht mal eine Döner- oder Rauch- und Saufphase hat im Leben, und dann kommt Mama und sagt, das sei alles ganz falsch.
Natürlich ist es falsch (gesundheitlich), aber vielleicht gehört es einfach dazu und früher oder später bildet das Kind eigene Glaubenssätze heraus. Das macht sie nicht falsch, genauso wenig wie es deine falsch macht. Wichtig ist doch, dass jeder damit leben kann.
Wenn ich sowas aufschreiben würde, dann eher als ganz persönlichen Brief vom Tag X und darin ausführen, warum das Leben jetzt gerade so läuft, wie es läuft, aber so absolut finde ich das sehr schwierig und, also wenn ich da an mich selbst denke ;), würde genau das Gegenteil dessen machen, was meine Mutter mir da aufgeschrieben hat.
Und zumal da das Kind ja auch noch in einer anderen Welt lebt, bekommt es doch Unterschiedlichkeit zu Gesicht und kann seinen eigenen Weg finden.

Grüße!

dorle (Profil) schrieb am 10.10.2017 08:06

ich mag solche "Leidfäden" auch nicht.
Gleichzeitig mag ich es auch nicht, wenn jemand sowas aus seinem Herzen hier mal formuliert, es als Übergriffig zu bezeichnen.
das Wort übergriffig hat so eine Inflation erfahren daß ich es selber schon als übergriffig empfinde.

ich bin echt kein religiöser Mensch, aber alles was man zum leben wissen muss findet man schön zusammengefasst in allen religionen dieser Welt wieder.
ich halte sie ja nicht für Gottesgeschenke sonder menschengemacht - sozusagen eines der größten Menschenwerke zum guten Zusammenleben.
Mehr brauchts eigentlich nicht.

Ansonsten kommt sehr viel auch auf das Alter des jeweiligen Menschen an - finde ich.
Das war auch mein erster Gedanke: Wie als ist die TS wohl?

je älter man wird und je weniger Zeit einem bleibt (obwohl man das ja nie weiß) desto weniger hat man Lust sich mit kraftzehrenden Menschen zu umgeben.
Da zieht man dann schneller Konsequenzen, wo man früher noch geredet hätte.

Ich wünsche der TS ein schönes Leben und hör nie auf Sprüche aufzuschreiben !

;oD

munkes (Profil) schrieb am 10.10.2017 08:25

Ich hab mich beim Lesen auch sehr belehrt gefühlt.
Aber ich hab auch manchmal die Tendenz, meine Errungenschaften anderen nahebringen zu wollen: Kommt selten gut an (c:
Schön, dass du so glücklich bist.

Lola (Profil) schrieb am 10.10.2017 10:12

Ich finde es nicht belehrend. Sie schreibt ja sogar, welches Jahr es ist und dass das Kind wohl eher keine Ratschläge braucht und sich so das rausnehmen kann, was es möchte. Klar, man kann es noch anders formulieren. Sie wird sicher nicht ihrem Kind sagen, zu dies oder das. Vielleicht kann man es ja auch so formulieren, dass das Dinge sind, die einem selber geholfen haben, weswegen sie sie gerne weitergeben möchte. Oder so in der Art.

Ich habe hier einen Zettel hängen, wie man mit Kindern umgehen soll. Das ist auch ein Selbstgänger, aber manchmal erinnert es mich, wenn ich es vergesse.... ich würde das mit dem Leitfaden ähnlich sehen.

solskinn (Profil) schrieb am 10.10.2017 13:36

Dorle, das ist doch nur meine Wahrnehmung.
Ich als Kind fände es übergriffig, also absolut unpassend und dem Paradigma der freien Entfaltung meiner Persönlichkeit als Mensch und Tochter zuwiderlaufend, wenn meine Mutter mir einen Leitfaden, also eine Handlungsanweisung, für mein Leben geben würde. Denn es impliziert ja, dass anderes falsch ist und ich nicht in der Lage bin meinen eigenen Weg zu finden. Das kann man auch Ideologie nennen, und das ist doch die Hauptkritik an solchen Strömungen und Trends unserer Tage. Im Imperativ formuliert lässt es keinen Raum für Widerspruch. Natürlich wissen wir nicht, in welchem Rahmen so ein Schriftstück an das Kind gegeben werden soll. Aber stellen wir uns mal vor, das kommt in eine Kiste und die bekommt das Kind, wenn die Mutter ablebt, oder meinetwegen während der Schwangerschaft mit dem ersten Kind (wobei, wer sagt denn, dass es Kinder geben wird?) oder zum 18. Geburtstag oder was auch immer. Und da steht dann: Tu dies und mach jenes und mach das bloß nicht, weil es schlecht ist.
Wenn die Feststellung ist, dass das Kind keine Ratschläge braucht, dann würde ich persönlich auch keine geben.
Wenn ich meinem Kind kommuniziere, du kannst jederzeit zu mir kommen, wenn dir Eine frage unter den Nägeln brennt, wenn dich meine Meinung interessiert oder was auch immer - das wäre mehr mein Ding.
Oder zu sagen, schau, ich habe es so und so und so gemacht und zwar aus dem und dem und dem Grund, und ich würde mir wünschen, dass du auch sorgsam und nachhaltig mit dir und deiner Umwelt umgehst - okay.
Einen Wunsch kann das Kind ja noch ablehnen.
Ich war in den letzten Jahren öfter bei meiner Mutter und habe sie gefragt, wie sie das gemacht hat früher oder wie sie dieses und jenes einschätzt. Ich wollte ihren Rat.
Ja, ungefragt erhaltenen Rat empfinde ich als übergriffig, weil ich ja gar kein Problem habe - vorher.

Darum ging es mir.

Grüße!

Henni (Profil) schrieb am 10.10.2017 14:33

Ich kann Solskinn gut verstehen, die Beziehungen von Müttern zu Töchtern sind ja meistens nicht ganz unkompliziert und mit Ratschlägen komme ich jetzt schon nicht weit.
Wir hatten hier mit der 11 jährigen heute morgen einen Riesentheater, weil ich mir erlaubt habe, den Tipp zu geben, für Latein nicht nur die Vokabeln zu lernen, sondern ab und an auch mal einen Übungssatz zu übersetzen....

Liebe TS, Dorle fragte ja schon, wie alt Du bist. Interessant wäre auch, wie alt ist dein Kind? Und wann soll es diese Sätze bekommen?

"Das Leben ist so kurz" - das finde ich einen furchtbaren Satz!
Kann natürlich so sein, aber im statistischen Normalfall ist es doch sehr lang, bietet die verschiedensten Phasen und so endlos viele Entwicklungsmöglichkeiten!

Henni (Profil) schrieb am 10.10.2017 15:00

Mir fällt gerade ein, als meine Mutter 60 wurde haben meine Geschwister und ich ihr ein Büchlein gebastelt mit all den Ratschlägen, die sie uns immer wieder gegeben hat.
Vorne drauf war eine Postkarte "Denk immer dran was Mutti sagt!" oder so.
Da sind viele Sprüche zusammen gekommen, wir hatten viel Spass, andere haben auch gelacht (sie auch).
Also, irgendwie bleiben die Ratschläge schon hängen und wie immer ist es gut, die Dinge mit Humor zu nehmen :-)

dorle (Profil) schrieb am 10.10.2017 17:59

hier mal ein paar leitfäden von meiner Mutter und meiner Oma:

N hübschen Mann haste nie für dich alleine!

Unter jedem Dach sein Weh und Ach!

Beziehungstip: Lassn sausen lassn zischen - jibbt n frischn!

Immobilientip: Wen Gott straft dem gibt er ein Haus!

Verhütungstip: Erst ran wie Blücher und denn zurück wie Napoleon!

Der Deibel scheißt immer uff denselben Haufen! (Unglück zieht sich an.)

Fortsetzung folgt!







Henni (Profil) schrieb am 10.10.2017 21:26

Sehr schön, Dorle!
Bei meiner Mutter waren das eher so praktische Nachkriegs-Hausfrauen-Tips:

Beim Kochen, Braten, Backen - Türen und Schränke zu. (Damit die Gerüche und der Fettdunst nicht überalll reinkriechen).
Vor einer Reise die beste Unterwäsche anziehen (man weiß ja nicht, wo man eventuell landet und halbnackt gesehen wird).
Auf einer Reise die dicksten Sachen und die dicksten Schuhe anziehen (egal wie das Wetter ist, egal, ob man mit dem Auto fährt), damit der Koffer nicht so schwer und voll ist. Und was man anhat, kann nicht wegkommen.

Mehr fällt mir spontan gar nicht ein.

Anonym schrieb am 10.10.2017 22:00

Ich kann guten Humor schon ab..das finde ich aber irgendwie daneben in Anbetracht der anderen Kommentare..habe echt gedacht wir können hier irgendwas zusammentragen..komisch..dabei dachte ich dieses Forum ist so wertefrei, tolerant und offen..ich meinte das in keinster Weise dogmatisch..es gibt nunmal den Begriff Leitfaden, etwas anderes ist mir sonst spontan nicht eingefallen..legt BITTE nicht jedes Wort auf die Goldwaage! Das Alter hat damit auch nichts zu tun, ich habe schon mit 16 über so etwas nachgedacht. Und ich denke ich bin eine sehr coole Mutter diesbezüglich. Echt schade..

Nicola (Profil) schrieb am 11.10.2017 08:58

Du schreibst, eigentlich brauchst Du keine Ratschläge (wobei ich finde, gute Ratschläge sind beim Erwachsenenwerden Gold Wert, woher sollen sie bestimmte Dinge wissen?), dann kommen aber NUR noch Ratschläge.
Über gesundes Essen, Geld für Reisen (sehe ich nicht so) etc.
Das widerspricht sich finde ich.

Anonym schrieb am 11.10.2017 09:29

Hallo TS,
bei Punkt 1, 2, 6 und 8 könnte man vielleicht etwas zusammenfassen bzw. klarer trennen, gibt etwas Überschneidung, finde ich. Ist aber ein umfassendes, komplexes Thema, da will ich mich mal nicht aus dem Fenster lehnen.
Gestern las ich einen Spruch, der da auch noch dazu passenkönnte: miss dich nicht an den anderen, sondern an deinen Möglichkeiten.

Als ich deinen Text las, war mein erster Gedanke: das ist eigentlich nicht fürs Kind geschrieben.? Ich hatte (und habe immer noch) den Eindruck, es ist eine sehr persönliche Liste mit Dingen, die dich bewegen, Erkenntnisse die du erfahren durftest und ganz bewusst wahrnimmst. Es ist schön, wenn jemand so reflektiert ist und seine Gedanken zu Papier bringt. Es kann sehr hilfreich sein! Aber das ist dann der Punkt, an dem ich hänge: es ist bestimmt hilfreich für Dich - aber es ist eben weniger allgemein geschrieben, könnte also für einen andere Person schwierig werden? als Beispiel: wenn dein Kind eine Person ist, die gern zuhause ist und nicht sooo gern reist (oder als ERwachsener zu wenig Geld dazu hätte), ist das dann verkehrt? Ich finde nein. Man könnte auch sagen "warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah". Das ist zu einem gewissen Grad eine Typfrage?! Meinst du vielleicht mit dem Reisen das "über den Tellerrand hinausgucken"?
Wenn du deinen Text als deinen Erfahrungsschatz schreibst, was DU machst, wenn x eintrifft, wenn du y fühlst, ... dann würde man Formulierungen nicht mehr auf die angesprochene Goldwaage legen, denn dann sind es deinen Erfahrungen und die sind so wie sie sind.

Anonym schrieb am 11.10.2017 09:30

nicht 8 sondern 9

Henni (Profil) schrieb am 11.10.2017 09:40

Hallo TS,

ein thread entwickelt sich eben, das ist doch gut so, wie ein Gespräch in größerer Runde es auch tun würde! Du klingst gerade so, als wärest Du völlig enttäuscht von den Antworten?

Du hast um Ergänzungen gebeten, die kamen auch (zu den Bereichen Nächstenliebe, Freundschaft, Spiritualität).

Dann kamen konstruktive Vorschläge, Dinge anders, nämlich positiver zu formulieren.

Dann kam der Gedanke auf, wollen Töchter ungefragt solche Ratschläge?
Dann hab ich überlegt, wie würde meine Tochter das aufnehmen?
Dann habe ich überlegt, was waren die Ratschläge meiner Mutter und wie fanden wir die?
Und dabei fiel mir auf: das Alter ist schon entscheidend bei sowas.
Anfang der Pubertät nimmt man definitiv keinerlei Ratschläge an.
Und meine Mutter ist 35 Jahre älter als ich, hat den ganzen Krieg und die Nachkriegszeit erlebt, ist in ganz strengen Rollenbildern aufgewachsen - bei so einem Abstand sind die Lebenswelten so verschieden, dass da kaum brauchbare Ratschläge kommen können.
Wenn Du aber vielleicht nur 20 Jahre älter bist als deine Tochter, dann sieht das ganz anders aus.

Solskinn, ist denn deine Mutter noch eher jung? Das fand ich toll, dass Du schriebst, dass Du sie manchmal gezielt um Rat bittest!

So hat sich das Thema für mich weiter entwickelt - ganz ernsthaft - es haben sich neue Fragen gestellt, es kamen Aspekte hinzu - und trotzdem konnte ich herzlich über Dorles Oma-Sprüche lachen!

hakama (Profil) schrieb am 11.10.2017 22:43

Mich begleitet seit meiner Jugend das Desiderata. Ich finde, dass dies genauso ein Leitfaden ist, den du beschreibst, darum kopiere ich es mal hier rein:

Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann. Stehe soweit ohne Selbstaufgabe möglich in freundlicher Beziehung zu allen Menschen. Äußere deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen zu, auch den Geistlosen und Unwissenden; auch sie haben ihre Geschichte. Meide laute und aggressive Menschen, sie sind eine Qual für den Geist. Wenn du dich mit anderen vergleichst, könntest du bitter werden und dir nichtig vorkommen; denn immer wird es jemanden geben, größer oder geringer als du.

Freue dich deiner eigenen Leistungen wie auch deiner Pläne. Bleibe weiter an deiner eigenen Laufbahn interessiert, wie bescheiden auch immer. Sie ist ein echter Besitz im wechselnden Glück der Zeiten. In deinen geschäftlichen Angelegenheiten lass Vorsicht walten; denn die Welt ist voller Betrug. Aber dies soll dich nicht blind machen gegen gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit. Viele Menschen ringen um hohe Ideale; und überall ist das Leben voller Heldentum. Sei du selbst, vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung. Noch sei zynisch was die Liebe betrifft; denn auch im Angesicht aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie das Gras. Ertrage freundlich-gelassen den Ratschluss der Jahre, gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf. Stärke die Kraft des Geistes, damit sie dich in plötzlich hereinbrechendem Unglück schütze. Aber beunruhige dich nicht mit Einbildungen. Viele Befürchtungen sind Folge von Erschöpfung und Einsamkeit. Bei einem heilsamen Maß an Selbstdisziplin sei gut zu dir selbst. Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als die Bäume und die Sterne; du hast ein Recht hier zu sein. Und ob es dir nun bewusst ist oder nicht: Zweifellos entfaltet sich das Universum wie vorgesehen. Darum lebe in Frieden mit Gott, was für eine Vorstellung du auch von Ihm hast und was immer dein Mühen und Sehnen ist. In der lärmenden Wirrnis des Lebens erhalte dir den Frieden mit deiner Seele. Trotz all ihrem Schein, der Plackerei und den zerbrochenen Träumen ist diese Welt doch wunderschön. Strebe danach, glücklich zu sein.

Sheherazade (Profil) schrieb am 12.10.2017 11:55

Desiderata, na toll! So ganz nach dem Geschmack der Mächtigen, die dann in aller Seelenruhe alles unbehelligt plündern und die Umwelt zerstören können. Aber auch für die, die unbehelligt vom unterdrückten Rest der Welt ihren Wohlstand genießen wollen sicher sehr empfehlenswert.

Ich habe Philosophen gelesen, die keine hanebüchenen Lebensregeln herausgeben, aus gutem Grund. Die brauchen für alles mindestens tausend Seiten, eben auch aus gutem Grund. Hat man die Philosophen gelesen und dazu möglichst viel Weltl -und andere gute Literatur, hat man auch das Rüstzeug, situationsgebunden jemanden tatsächlich gut zu beraten.

Mit esoterische Sprücheklopfern und Nobodies ist es natürlich viel bequemer.



Ich, ich, ich, das ist hier letztendlich das Motto, mit salbungsvollem Ton untermalt, sowas wie Solidarität kommt nirgends vor.

Ich suche dieses Forum hin und wieder auf für den Grusel...



purzelmurzel (Profil) schrieb am 12.10.2017 14:30

Philosophie! Aha! Auf wenn willst du dich denn da berufen?
Philosophen verteilen doch keine Lebensweisheiten.
Es gute um die unterschiedlichsten Meinungen, die auf unterschiedlichsten Arten begründet werden wollen...
Je mehr Philosophie ich studiert habe, umso klarer war mir, dass ich nichts weiss!

Auf den Rest gehe ich nicht ein. Diese Art der Provokation ist ja langsam bekannt, allerings diesem Forum ansonsten fremd!

Henni (Profil) schrieb am 12.10.2017 14:34


"Stehe soweit ohne Selbstaufgabe möglich in freundlicher Beziehung zu allen Menschen."

Ja, bei dem Satz habe ich auch gedacht: das läßt weiten Spielraum!
Würde auch z.B. zu Donald Trump passen. Passt ja auch insoweit, als dass der Text in den wirtschaftlich noch jungen USA entstanden ist - da schwingt der Grundsatz "alles ist gut, solange es mir nützt" immer unübersehbar mit.

Anonym schrieb am 12.10.2017 15:02

Nach dem provokanten Einwurf versteh ich aber nun endlich, was ein Freund mir immer über eine bestimmte Glaubensrichtung sagen will: Es geht oft nur um mich und nicht so sehr um die Gesamtheit. Ich finde den Einwurf gut und zum Nachdenken anregend.

dorle (Profil) schrieb am 12.10.2017 21:26

für sheherazade

hahaha

*lach**

https://www.youtube.com/watch?v=dYxK9fvoYDU

hakama (Profil) schrieb am 12.10.2017 23:23

Oha! Ich habe das Desiderata bewusst unkommentiert gelassen, da kann sich ja dann jeder seine eigenen Gedanken zu machen und für mich war bspw. der Passus mit der Selbstaufgabe eher eine Aufforderung zu Überlegen, was ist Selbstaufgabe, was Rücksichtslosigkeit? Ich habe auch oft überlegt, was gesunde Selbstdisziplin eigentlich ist.

Sicher kann man dem Desiderata vorwerfen, dass es keinen expliziten Satz zu Nächstenliebe, Solidarität oder Gerechtigkeit enthält. Ich bin aber ein eher großzügiger Mensch und finde diese Teile in der freundlichen Beziehung zu allen Menschen, in den Idealen und dem Heldentum und auch darin, dass wir alle (so lese ich es) Teil des Universums sind. Natürlich kann es auch weniger großzügig gelesen werden, sozusagen kritischer und vielleicht könnte man dann verstehen: Sei glücklich und kümmere dich nicht um den Rest der Welt! Mir fällt das schwer, das so zu interpretieren, aber Lesen ist ein aktiver Prozess, man findet, was man sucht, denke ich. Auch der historische Kontext ist sicher interessant, macht eine Aussage aber nicht weniger oder mehr wahr, ändert ja nichts daran, ob man als Leser irgendwo andocken kann.

Für mich ist die zentrale Frage (an dieser Stelle der Diskussion), wie man die Welt zu verändern versucht. Das bezieht sich wahrscheinlich auch auf den Ano-Kommentar bei dem es mit der Kritik des zuviel "ich" und zu wenig "Gesamtheit" um den Buddhismus geht, oder? Ich bin keine Buddhistin und auch kein Buddhismus-Expertin, aber ich finde es nachvollziehbar, dass Veränderung bei einem selbst beginnen muss (beim "ich") und zwar zum Wohle der Gemeinschaft. Ich glaube, dass dir, Sherezade, ein bisschen mehr "ich" sehr gut tun würde und deiner Umwelt vermutlich auch. Wenn du mehr darauf schauen würdest, was bei dir so los ist, hättest du vielleicht auch nicht mehr so sehr das Bedürfnis zum Gruseln dieses Forum aufzusuchen und dies dem Forum dann auch noch unter die Nase zu reiben. Ich meine, die Dumm- und Einfältigkeit anderer Menschen gruselnd zu genießen, macht auch nicht jeder ... vielleicht lohnt sich da ja mal die Frage, was dich dazu treibt. Du könntest bestimmt auch Netteres mit deiner Zeit anfangen, aber vielleicht eben auch nicht ... du wirst es wissen ...

bkoe0067 (Profil) schrieb am 12.10.2017 23:24

Hahaha, und ich lese immer wieder ins Forum rein, weil ich mich auf den Grusel von Scheherazades Märchen aus 1001 Nacht freue...

Leute, was ist los? Die Starterin möchte ihre Lebenserfahrungen an ihre Tochter weitergeben und sie vor Fehlern bewahren. Das wollen fast alle Eltern, und vermutlich scheitern die meisten damit.

Blödeleien auch über ernste Themen gehören für mich zu einem guten Gespräch dazu. Danach kann man sich dem Thema auch wieder ernster zuwenden.

Egozentrisch sind ebenfalls fast alle Menschen, das entspringt zu einem Großteil unseren Instinkten und dient dem Überleben bzw. dem Arterhalt und der Durchsetzung der eigenen Gene. Die, die es nicht sind, werden oft arg enttäuscht und deprimiert und/oder ausgenutzt.

Seinen Weg durchs Leben zwischen Altruismus und Egoismus, zwischen Kinder beschützen und Kinder laufenlassen sucht und findet jeder für sich, mit Freunden, mit Familie, mit Ratgebern, Religion und Philosophie oder mit Drogen.

Das ist schwierig genug, da muss man sich nicht noch gegenseitig Steine in den Weg legen.

So, jetzt vielleicht auch mal mit Binsenweisheiten bisschen auf den Diskussionstisch gehauen. Aber ich kann hier alle Beiträge verstehen und finde, alle sind irgendwie wahr.

bkoe